Masteritis

Der Bologna Prozess hat das deutsche Hochschulwesen mit einer neuen Krankheit infiziert: Masteritis. Universitäten haben das tiefe Bedürfnis, an allen Ecken und Enden fortlaufend neue Master-Studiengänge aus dem Boden zu stampfen, Professoren erklären ihren Forschungsschwerpunkt bzw. ihren Lehrstuhl zum eigenen Studiengang, usw. Der Masteritis entkommt keine Uni, auch die FU hat mal wieder einen neuen Master im Programm, den „Executive MBA Net Economy“. In einer Pressemitteilung heißt es:

„Im Oktober ist es soweit – zum Wintersemester 2006/2007 wird der weiterbildende Studiengang ‚Executive MBA Net Economy‘ an der Freien Universität Berlin in Kooperation mit […] erstmalig angeboten. Der berufsbegleitende Studiengang ist zugeschnitten auf Fach- und Führungskräfte aus dem Bereich der Net Economy, die im Zuge ihrer Karriereplanung einen interdisziplinär ausgerichteten MBA anstreben. Zulassungsvoraussetzungen sind neben einer akademischen Erstausbildung eine mindestens zweijährige Berufserfahrung im Umfeld der Net Economy. […] Die Studiengebühr beträgt 20.000 Euro.“

Nachdem man den Auf- und Abstieg der New Economy (siehe auch Dotcom-Blase) verpennt hat, will man nun dick ins Geschäft einsteigen und nennt das Ganze „Net Economy“. Auf dass es bald noch mehr ebay-Powerseller und Web-2.0-Klitschen gibt. In der Selbstbeschreibung der Verantwortlichen liest sich das wie folgt:

„Diesem Leitbild haben sich die tragenden Projektpartner des Net Economy MBA verpflichtet und ein über die Grenzen der Wirtschaftswissenschaft hinausreichendes Curriculum entwickelt, das Inhalte der Informatik und der Medienwissenschaft in ein MBA-Curriculum integriert. Ein umfassender Blended-Learning Ansatz stellt dabei sicher, dass Präsenz- und Fernstudium einschließlich multimedial aufbereiteter E-Learning-Inhalte optimal aufeinander abgestimmt sind.“

Mit anderen Worten ein aufgeblähter „PowerPoint-MBA“ mehr.

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2 Antworten to “Masteritis”

  1. Anonymous Says:

    Schade dass es keinen Blog-MBA gibt. Sonst würden solch hohlen Kommentare vielleicht in Zukunft ausbleiben.

  2. Niklas Says:

    Bestimmt gibt es auch irgendwann einen „Blog-MBA“. Schließlich braucht es Leute, die all das Marketing-Gedöns über „multimedial aufbereitete E-Learning-Inhalte“, „umfassende Blended-Learning Ansätze“, Berufserfahrungen in der „Net Economy“, etc. blogkonform darstellen. Das sind dann die MBM, die Masters of Buzzword Management.

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