21 Millionen für überbezahlte Profs

Sollte es die FU am Ende tatsächlich schaffen sich in der Exzellenzinitiative durchzusetzen, winken ihr rund 21 Millionen Euro pro Jahr (für einen Zeitraum von fünf Jahren). Setzt man diese Summe in Relation zu den 291 Millionen Euro die die FU jährlich vom Land Berlin bekommt, wirkt sie wie ein Tropfen auf den heißen Stein, selbst wenn FU-Präsident Lenzen betont, für eine deutsche Uni sein die 21 Millionen viel Geld (siehe: Tagesspiegel, 22.01.06). Auch das ganze Trara in der Öffentlichkeit wegen des Wettbewerbs wirkt bei solchen Summen überzogen.

Die zentrale Frage lautet, was käme bei den Studierenden von diesen 21 Millionen Euro an? Im osiwelt-Blog ist man da ziemlich skeptisch. Die Befürchtung: Die Gelder kämen nur der Forschung zugute, nicht der Lehre. Nun könnte man natürlich einwenden, dass letztlich auch die Studierenden von einer Stärkung der Forschung profitieren bzw. dass ein Mehr an Forschung über kurz oder lang auch zu einer Verbesserung der Lehre führt. Unmittelbar fördern Forschungsgelder aber zunächst immer die Reputation des Dozierenden der sie für sein berufliches Vorankommen einsetzt – wenn überhaupt profitiert die Lehre davon nur langfristig und indirekt. Die Skepsis ist also berechtigt.

Aber warum spekulieren, wohin genau das Geld fließen wird? FU-Präsident Lenzen macht klar, was seiner Meinung nach mit den 21 Millionen passieren sollte:

„Zusätzliche Millionen sind da ein Segen, zumal der Präsident sie gezielt für einzelne Vorhaben einsetzen könnte. Die FU will ihre internationalen Kontakte ausbauen, heißt es in ihrem Antrag für den Elite-Status, in dem die Unis erklären müssen, wie sie ihre Spitzenstellung ausbauen wollen. Die FU könnte mit dem Geld Außenstellen und Talent-Scouts bezahlen, um systematisch ausländische Spitzenkräfte anzuwerben. ‚Dazu kommt: Wer internationale Spitzenkräfte engagieren will, muss sie sehr viel besser bezahlen als jetzt‘, sagt Lenzen.“ (Tagesspiegel, 22.01.06)

Also Talent-Scouts bezahlen, die dann überbezahlte Professoren anwerben. „Sehr viel besser bezahlen als jetzt“? Reicht C4 bzw. W3 zuzüglich diverser Nebeneinnahmen (Publikationen, etc.) wirklich nicht aus? Braucht man wirklich überteuertes Personal aus Übersee um die Qualität von Forschung und Lehre zu heben? Ist der Prof aus Harvard (bzw. der, der nach Harvard abzuwanden droht) wirklich um so viel Klassen besser als der aus Buxtehude? Und falls ja, ist das wirklich die Lösung für eine Uni wie die FU, die, wider Willen, trotz allem immer noch eine Massenuni ist? Statt einen überbezahlten Prof könnte man auch fünf „normalbezahlte“ einstellen – und/oder Bücher anschaffen, Räumlichkeiten ausbauen, Laptops bereitstellen. Aber offenbar nicht in Lenzens Welt.

Update 24.01.06: Ergänzend und als Antwort auf HobbesVsBoyle:

Grundlage der Argumentation war ja der Widerspruch zwischen dem Anspruch Elite zu sein und der Tatsache, dass die FU auf absehbare Zeit auch mit „Elitenbonus“ eine Massenuni bleiben wird.

Sog. „Spitzenkräfte“ (oder das, was Lenzen dafür hält) würden durch ihre weitaus höheren Gehaltsforderungen Mittel binden. 5:1 ist vielleicht übertrieben, aber 2:1 oder 3:1 kommt bestimmt hin. Bei der Masse an Studenten sollte man dann also für dasselbe Geld lieber gleich 2 oder 3 Lehrkräfte einstellen, die nicht über dieselbe Reputation wie die „Spitzenkraft“ verfügen, dafür aber die Anzahl von Studierenden pro Professor deutlicher drücken können. Was nützt mir die überteuerte „Spitzenkraft“, wenn dann immer noch zu viele Leute im Seminar sitzen, weil es an einer ausreichenden Anzahl von Lehrenden mangelt?

Es gibt ja durchaus auch sehr fähige Profs, die nicht diese immensen finanziellen Ansprüche haben, wie Lenzen sie hier beschreibt. Grottian teilt sich schon seit längerem seine Stelle mit einem anderen Professor und kassiert dann eben nur die Hälfte dessen, was ein C4-Prof normalerweise einsackt. Trotzdem mindert diese finanzielle Einbuße sein Engagement für die Studierenden und die Uni offenbar nicht. Irgendwo ist es halt auch eine Frage der Einstellung.

Und ob die „Spitzenkraft“ allein durch ihr internationales Renommee und ihren Einfluß wirklich so viel mehr Drittmittel organisieren könnte, da bin ich wirklich skeptisch. Selbst wenn, bliebe noch die Frage, wo diese Mittel am Ende tatsächlich hängen bleiben.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob ein besonders teurer Prof mit hoher Reputation wirklich ideal für die Lehre ist. Die meisten, die sich einen überdurchschnittlich guten Ruf erarbeitet haben, haben sich in ihrer Karriere stark auf die Forschung konzentriert. Die Lehre ist da doch oft nur ein lästiges Beiwerk. Ein weiterer Grund eher den „normalbezahlten“ Prof zu wählen, für den ein Engagement in der Lehre vielleicht eher vor dem eigenen akademischen Vorankommen steht (also lieber „Überzeugungstäter“ statt „Spitzenkraft“).

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