Spind Squatting

Im neuen LHG OSI Blog berichtet Ronny, wie ihm sein Portemonnaie aus seinem im Bibliotheks-Foyer aufgehängten Mantel gestohlen wurde. Offenbar in letzter Zeit kein Einzelfall, wie ein mahnend aufgehängter Hinweis verdeutlicht. Seine KommilitonInnen zu bestehlen ist zweifellos ein asoziales Verhaltensmuster, es ist jedoch nur eines von diversen Indizien, die daraufhin deuten, dass das Klima unter den Studierenden zunehmend rauer wird und das Studium zum Egotrip mutiert.

Denn wer z.B. versucht vor dem Gang in die Bibliothek sein Zeug in einem der Schließfächer unterzurbingen, braucht schon viel Glück um ein freies zu erwischen. Ursächlich dafür ist der Deffekt diverser Schließfächer, aber eben auch die Unsitte vieler KommilitonInnen, so ein Schließfach (Spind) für einen ganzen Tag in Beschlag zu nehmen.

Das ist schon interessant zu sehen, wie ständig Leute kommen und ihr Fach aufschließen, dann aber nur etwas herausnehmen oder hineinlegen, um anschließend in Richtung Cafeteria oder Lehrveranstaltung zu verschwinden. Diese Schließfächer sind der Bibliothek vorgelagert, weil man Rucksäcke und Jacken dort nicht mit hineinnehmen darf. In Lehrveranstaltungen kann man sein Zeug dagegen mitnehmen, nur ist es vielen offenbar einfach zu lästig ihre Sachen (Bücher, Laptop, etc.) den ganzen Tag mit sich herumzuschleppen, also belegen sie für die Dauer ihres Aufenthalts am Institut einen Spind und blockieren ihn damit für andere, die nur kurz in die Bibliothek wollen.

Vielleicht sollte man neben dem Schild das vor Diebstählen warnt noch ein zweites aufhängen, das daran erinnert, dass die Benutzung der Schließfächer primär solchen Studierenden vorbehalten sein sollte, die dann auch tatsächlich in die Bibliothek gehen.

Forderung nach Anwesenheitslisten

Ein anderes Beispiel ist die Anwesenheitspflicht. Allgemein sprechen sich Studierende gegen Anwesenheitslisten aus. Es gibt jedoch auch Konstellationen, in denen diese von den Studierende gefordert werden – aus Unmut über abwesende KommilitonInnen.

So geschehen in meinem Projektkurs, in welchem der Dozent die TeilnehmerInnen darüber abstimmen ließ, ob es Anwesenheitslisten geben soll oder nicht. Denn angeblich zeichnete sich ab, dass einige TeilnehmerInnen nur für die erste Hälfte des Doppelblocks bleiben und dann die Pause nutzen, sich zu verdünnisieren, weil sie dann noch eine parallel laufende Veranstaltung mitnehmen wollen.

Eine Ungerechtigkeit gegenüber jenen Studierenden, die ihren Stundenplan regelkonform aufstellen und über die volle Zeitdauer des Doppelblocks anwesend bleiben. So zumindest die Sichtweise der Mehrheit der TeilnehmerInnen im Kurs, die sich daher für die Einführung einer Anwesenheitsliste aussprachen, um eine solche „Übervorteilung“ durch ihre trickreichen KommilitonInnen zu unterbinden.

Dass es dann dennoch keine Anwesenheitslisten gab, ist allein der Einsicht des Dozenten zu verdanken, der das Votum ignorierte (obgleich er die Abstimmung selbst angeregt hatte) und keine Liste einführte. Beeindruckend war es aber dennoch zu sehen, wie schnell Studierende aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus die Solidarität mit KommilitonInnen aufkündigen, die vermeintlich oder tatsächlich das Reglement auszutricksen versuchen.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht überraschen, dass nicht einfach mehr Anwesenheitsliste verschwinden, während sie ihre Runde durch den Raum machen. Denn das wäre sicherlich die effizienteste Methode, dem Theater mit den Anwesenheitsliste ein Ende zu bereiten. Solange man aber davon ausgehen muss, dass einen mindestens fünf KommilitonInnen dabei beobachten, wie man die Liste einsteckt und man nie sicher sein kann, ob einen nicht doch jemand aus Empörung dafür offen oder anonym denunziert, wird die Bereitschaft für solche Aktionen gering bleiben.

Stattdessen braucht es dann erst maskierte „Listenclowns“, die die Veranstaltung sprengen, um die Liste zu entwenden (so geschehen Ende letzten Jahres in diversen Lehrveranstaltungen). Um die Verbreitung von Anwesenheitslisten nachhaltig zu unterbinden, reicht das freilich nicht aus.

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3 Antworten to “Spind Squatting”

  1. Zur Entwendung von Anwesenheitslisten « FUwatch Says:

    […] Wie an anderer Stelle schon angeschnitten besteht der eigentliche Skandal denn auch nicht darin, dass hier ein paar verkleidete Studierende Anwesenheitslisten entwenden, nein, skandalös ist vielmehr die Tatsache, dass die Masse der Studierenden erst durch solche Aktionen überhaupt mal auf die Idee kommt, über Sinn und Zweck von Anwesenheitslisten nachzudenken bzw. dass man sich diesem Kontrollinstrument auch durch subversives Verhalten entziehen könnte. Immer stärker verteidigen Studierende aber inzwischen auch die Notwendigkeit von Anwesenheitslisten (dazu später mehr). […]

  2. Die OSI/IfS-Bib bittet um Feedback « FUwatch Says:

    […] Ein Kommilitone hat darüber hinaus zurecht darauf hingewiesen, dass ein Problem die zu geringe Anzahl von Schließfächern ist. So banal das auch sein mag, die ständige Überbelegung der Schließfächer nervt wirklich (siehe dazu auch “Spind Squatting”). […]

  3. OSI-Bibliothek nun videoüberwacht « FUwatch Says:

    […] es waren bei weitem nicht die einzigen Fälle, Diebstähle kamen immer wieder vor (siehe Spind Squatting). Unklar ist, ob dies nun Studierende waren, die ihre KommilitonInnen beklauten oder ob es externe […]

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