Vollversammlung am Otto-Suhr-Institut

Heute fanden sich ca. 250 Studierende (taz, 07.12.) des Otto-Suhr-Instituts (OSI) zu einer institutseigenen Vollversammlung im Henry-Ford-Bau ein. Ursprünglich war für diese Veranstaltung Saal D vorgesehen, sie wurde jedoch kurzerhand nach C verlagert, weil dort Prof. Thomas Risse seine IB-Vorlesung halten wollte. Der ließ sich jedoch nicht beirren und evakuierte seine Veranstaltung nach kurzem Geknatsche einfach umgekehrt in den Saal D. Immerhin hob er die Anwesenheitspflicht für seine Veranstaltungen in der Streikwoche auf und stellte seinen IB-HörerInnen frei, hier in der VV zu bleiben oder drüben in Hörsaal D seine Vorlesung zu besuchen. Daraufhin verließ ein Teil der Anwesenden tatsächlich den Raum und folgte Risse.

Die OSI-VV begann dann mit einer kurzen Zusammenfassung der Beschlüsse der Gesamt-VV vom Vortag (siehe gestriger Blog-Eintrag). Ferner wurde ein Ablaufplan der heutigen VV vorgeschlagen und bewilligt.

Anschließend sprach Prof. Hajo Funke in Vertretung für Prof. Bodo Zeuner für die Dozierenden des Instituts. Funke teilte die Kritikpunkte der Studierenden und hob insbesondere die ursprünglich geplante Fristregelung hervor, die er zusammen mit anderen Dozierenden nur mühsam hätte abwehren können. Danach hätten faktisch alle Hausarbeiten bereits im Semester geschrieben werden müssen, da ursprünglich als Abgabetermin das Ende der Vorlesungszeit (Mitte Februar) bzw. der 1. März vorgesehen gewesen war. Inzwischen konnte für dieses Semester der 31. März als Abgabetermin ausgehandelt werden, den Dozierenden bleibt dann aber immer noch nur ein Monat, bis die Arbeiten korrigiert und die Noten im System endgültig eingetragen sein müssen. Funke nannte die ursprüngliche geplanten Fristen das Absurdeste, was ihm in seiner gesamten Laufbahn untergekommen sei. Dennoch habe es lange gedauert, bis das auch die Uni-Leitung endlich eingesehen habe. Unterm Strich sein die Abgabefristen allerdings immer noch zu regide geregelt und eben unflexibe. Der Warnstreik sei wichtig, weil hier nun endlich auch auf breiterer Basis solche Probleme diskutiert werden könnten. Lehrende wie Studierende sollten sich gleichermaßen gegen ein entmündigendes System wie das SAP Campus Management zur wehr setzen. Funke sprach weiterhin davon, dass man am OSI ansonsten auch erwägen müsse ganz einfach aus dem System auszusteigen.

Im Zuge des nächsten Tagesordnungspunktes stellte eine Gruppe ProtestlerInnen ihre kritische Überlegungen zum Streikablauf auf Basis der Erfahrungen aus dem 2003er Streik vor. Im Zentrum stand hier die „Repräsentations-Problematik“: Egal ob Medien, Politiker, Uni-Verwaltung, Dozierende – stets würden die Studierenden dazu neigen, ihre Handlungsoptionen aus der Hand zu geben, sie appellativ auf eine andere Ebene verlagern zu wollen. Ein fragwürdiges Vorgehen, da die Zielsetzung von Dritten nicht unbedingt der, der Studierenden entspricht. Werden z.B. die Medien angesprochen, dann ist das Thema dort nur für kurze Zeit von Interesse; den Medien geht es nicht wirklich um die Belange der Studierenden.

Im Hauptteil der Veranstaltung wurden dann die vier Gesamt-VV-Forderungen um zusätzliche OSI-VV-Forderungen ergänzt. D.h., es wurden Vorschläge eingebracht, diskutiert und schließlich verabschiedet oder abgelehnt. Stark umkämpft war hier z.B. die Frage, ob auch ein Studium ohne Zulassungsbeschränkungen gefordert werden solle. Viele KommilitonInnen lehnten dies ab, weil die Forderung unter den gegebenen Umständen zu utopisch sei. Es sei einfach nicht erstrebenswert dann mit 100 Leuten in einem Seminar zu sitzen, das bereits jetzt mit 60 Personen bereits übervoll sei, etc. Andere beharrten auf der Notwendigkeit jedem/jeder den Zugang zu Bildungseinrichtungen gewährleisten zu können. Bei mehreren Abstimmungsversuchen kam es immer wieder zu einem Patt. Schließlich wurde der Vorschlag eingebracht, den Punkt „ergebnisoffen“ in den Forderungskatalog aufzunehmen. Gefordert würde demnach nicht ein Studium ohne Zulassungsbeschränkungen, sondern nur eine verstärkte Diskussion über diesen Punkt. Andere Punkte, wie z.B. die Forderung nach einer Absetzung des FU-Präsident Lenzen fanden deutlich keine Mehrheit.

Der vielleicht wichtigste Abstimmungspunkt betraf eine dreitägige Besetzung des OSIs von Mittwoch bis Freitag. Dieser Punkt fand eine Mehrheit. Es finden noch bis Ende der Woche zahlreiche Streik-Seminare statt, das aktuelle AVV findet sich hier.

Insgesamt wirkte die VV gegen Ende hin ziemlich zerfasert und langatmig – wie es eben für VVs typisch ist. In einer Phase in der erstmal nur Vorschläge vorgebracht werden sollten, wurden diese z.B. in Wortmeldungen immer wieder gleich diskutiert oder bereits gemachte Vorschläge kritisiert ohne einen konkreten Gegenvorschlag vorzubringen, usw. Man verhedderte sich in Details und nebensächlichen Diskussionen, so dass die Veranstaltung kein Ende zu nehmen schien.

So wurde z.B. der Geschäftsordnungs-Vorschlag eingebracht eine quotierte Redeliste zu erstellen, dernach jeweils abwechselnd eine Frau und ein Mann sich äußern dürfen. Nachdem die BefürworterInnen dieses Vorschlags von einer „Selbstverständlichkeit“ redeten, die Gegenrede zu diesem Vorschlag von einem „Kerl“ (O-Ton) vorgebracht wurde, eskalierte die Situation kurzzeitig zu Geschrei und diversen Zwischenrufen. Schließlich kam es zu einer Kampfabstimmung die zum Ergebnis hatte, dass der Vorschlag abgelehnt wurde.

Als schließlich die Meldung rumging, dass einige KommilitonInnen das Präsidium besetzt hatten löste sich die VV langsam auf, da etliche Anwesende die BesatzerInnen unterstützen wollten und zum Präsidium eilten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: