Mit dem EduBook in die Windows-Welt

„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer“

Mit diesem Standort-Logik-Zitat des Autobauers (und Antisemiten) Henry Ford beginnt die von der Bonner Akademie (Zurich Gruppe) ins Leben gerufene „Bildungsoffensive 2006“ eine Einleitung über ihr Selbstverständnis. Man will an Projekten wie jenen der „Initiative D21“ („Schulen ans Netz“, „Girls‘ Day“) anknüpfen und Lernende wie Lehrende kostengünstig mit einem Notebook ausstatten.

An dem Projekt beteiligt sind unter anderem große Unternehmen wie Microsoft, Hewlett Packard (HP), Symantec und AMD, aber z.B. auch der FOCUS. Zusammen wird für Schüler, Lehrer, Studenten und Dozenten ein „EduBook-Bundle“ bereitgestellt. Ein Notebook von HP auf dem natürlich Microsoft Windows und Office läuft, plus Norton Internet Security, Protect-On von MasterSolution (natürlich ebenfalls am Projekt beteiligt) sowie noch einige Lernprogramme. So tun also die beteiligten Unternehmen in ihrem grenzenlosen Altruismus nicht nur was für den Bildungsstandort Deutschland, nein, sie konditionieren junge Schüler und zukünftige Akademiker auch auf die „Vorzüge“ ihrer proprietären Softwareprodukte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dabei ist das Angebot mit 998 Euro so verlockend nun auch wieder nicht. Zwar heißt es auf der Website auch, der Wert des Gesamtpakets würde insgesamt 1800 Euro betragen, nur hätte man dann den Preis auch ruhig noch ein wenig weiter drücken können. Bei den beteiligten Unternehmen und den Unsummen die sie verdienen, wäre ein symbolischer Betrag von 1 Euro durchaus angemessen gewesen. Oder aber, man verlangt nur 400 Euro für die Hardware, lässt dann den ganzen proprietären Schrott weg und liefert das Teil mit Ubuntu und OpenOffice aus.

Klar, dass ein echtes, deutsches Volks-Notebook nicht ohne „biometrischen Fingerabdrucksensor“ auskommen kann, so dass „Jugendliche zugleich auch an das hoch sensible Thema der Datensicherung heran“ geführt werden (O-Ton Website). Okay, vielleicht kommt es den heranwachsenden Pisa-Kindern entgegen, wenn sie, schreibfaul und gedächtnisschwach, sich mit ihrem Daumen anstatt mit Benutzernamen und Passwort in Windows einloggen können. Aber ob das wirklich Ziel einer „Bildungsoffensive“ sein sollte? Und was, wenn der erhöhte FastFood-Konsum die kleinen Fingerchen zu dick für den „Fingerabdrucksensor“ werden lässt?

Aber mal im Ernst: Statt das Notebook mit solchen wirklich überflüssigen Gadgets wie einem biometrischen Fingerabdrucksensor auszustatten und mit proprietärer Software vollzustopfen die keiner braucht (und das meint auch sog. „Lernsoftware“), sollte man für eine solche Initiative vielleicht ein echtes Low-Budget-Notebook mit hinreichender Hardware und kostenloser OpenSource-Software bestücken.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: