Wie die „Hertie School of Governance“ Wikipedia missbraucht

Seit dem 4. Juli existiert ein Wikipedia-Artikel zur „Hertie School of Governance (HSoG)“. Im Dezember 2003 von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet, bietet die HSoG den Postgraduate-Studiengang „Master of Public Policy“ an und stellt darüber hinaus ein „ein praxisnahes Weiterbildungsprogramm für junge Führungskräfte“ bereit. Der interessierte Leser erfährt:

„Die Hertie School of Governance (HSoG) bereitet herausragend qualifizierte junge Menschen auf öffentliche Führungsaufgaben vor.“ … „In mehrtägigen Executive Seminaren vertiefen die Teilnehmer aus dem öffentlichen, privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Sektor ihre beruflichen Kenntnisse und erweitern ihre konzeptionellen und analytischen Fähigkeiten“ … „Die Hertie School of Governance folgt der Humboldtschen Universitätsidee und vereint Lehre und Forschung.“

Und so weiter und so fort, der gesamte Artikel liest sich wie eine Werbebroschüre, wie auch Wikipedianer „Zenogantner“ in der Versions-Übersicht des Artikels anmerkt. Doch wer hat ihn verfasst? Auch das lässt sich der Versions-Übersicht entnehmen, ein gewisser „Broemmling“ hat den Text produziert. „Broemmling“ ist Ulrich Brömmling. Auf seiner Website erfährt man in erster Linie, dass sich Herr Brömmling auf Stiftungen spezialisiert hat, denen er beratend zur Seite steht. Bescheiden wie Herr Brömmling ist, lässt er in seinem Lebenslauf unerwähnt, dass er unter anderem auch „Head of Marketing and Communication“ an der Hertie School of Governance ist.

Mit anderen Worten hat hier also der Pressesprecher der Hertie School of Governance das Wikipedia-Projekt dazu missbraucht, ein wenig Werbung für die HSoG zu machen. Genau darum geht es bei Wikipedia aber eigentlich nicht. Mal sehen wie lange es dauert, bis sich jemand erbarmt und diesen Artikel von seinen Marketing-Floskeln befreit.

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3 Antworten to “Wie die „Hertie School of Governance“ Wikipedia missbraucht”

  1. Institutstag - Ein kurzer Rückblick « FUwatch Says:

    […] Stattdessen musste ich mich dann mit Hochglanzlektüren wie “High Potential” durch eine akademische Pause schlagen. Magazine die so schleimig und oberflächlich sind, dass sie einem ständig durch die Finger zu gleiten scheinen. Dass solche Karriere-Planer-Borschüren (”Vordiplom mit 18″, “Bewerbungstipps”, “Schöner arbeiten bei der Lufthansa“, “Welches Giro-Konto ist für Studierende das richtige?” usw.) bei Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Hertieanern auf Interesse stoßen, kann ich mir noch halbwegs vorstellen – aber bei OSIanern? Vermutlich längst Realität, allerdings beruhigt die Tatsache, dass gerade diese Magazine achtlos liegengelassen werden, interessantere und substanziellere Sachen sind dagegen schnell vergriffen. Jetzt wo es so kalt draußen ist, könnte man doch für die Raucher eine alte Öl-Tonne vor dem OSI aufstellen, bei einem wärmenden Feuer würde man dann all diesen nutzlosen Schund verheizen, an Nachschub scheint ja zumindest kein Mangel zu herrschen. […]

  2. Humboldt-Viadrina School of Governance « FUwatch Says:

    […] Anders als bei der Hertie School of Governance (HSG) sieht das Konzept der HVSG offenbar vor, dass sich die Dozentenschaft aus Lehrkräften der Humboldt- und der Viadrina-Uni rekrutiert, die Dozierenden müssen ihre Lehre folglich teilen (Lehrveranstaltungen an der jeweiligen “Heimat-Uni” und an der HVSG). Die Gefahr bei einer solchen Konstruktion besteht natürlich darin, dass bei der Aufteilung des Zeitpensums im Zweifelsfall der viel zahlenden Studentenschaft an der HVSG der Vorzug gegeben wird. […]

  3. Schlossplatz hoch drei « FUwatch Says:

    […] Die Hertie School of Governance bringt mit “Schlossplatz³” (oder wie die coolen Leute von der Hertie auch sagen: “sp3″). Und immer wenn du denkst, es geht nicht noch glatter und schmieriger, wird so ein neues, steriles Hochglanz-Magazin herausgebraucht. “The magazine presents a reflection upon the interdependence of current policy issues. Most of today’s economic, political and societal challenges need different perspectives and approaches that combine the public and the private sector as well as civil society. If we are to understand and solve the questions of our time we have to be mindful of the role of these actors – hence the ‘3′ (’to the power of three’) in the title: An allusion to our credo that it is a crucial task to unite all three in finding solutions to common tasks. None of the three actors is capable, on their own, of tackling present or future challenges. Therefore, it is time that we try to establish and foster a fruitful debate between all different sectors of society.” […]

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