Archive for Januar 2008

Zeitung zum Aktionstag

Januar 31, 2008

Im Forum des Aktionstages ist am Montag eine so genannte “Inhaltszeitung” erschienen, die erstmals etwas näher konkretisiert, wogegen genau sich der heute stattfindende Aktionstag eigentlich richtet.

Thematisiert werden hauptsächlich die misslungene Reform der Studiengänge an der FU im Sinne des Bologna Prozesses und was für Folgen sich daraus ergeben, die Exzellenzinitiative (“Warum eigentlich braucht unsere Gesellschaft so dringend Eliten, die eine derartige Selektion beim Zugang zur Wissens- und Machtproduktion notwendig machen? Warum brauchen Deutschland und die Welt unbedingt elitäre/exzellente ‘Innovationsstandorte’, die eine derartige Zurechtstutzung der Universitätsstruktur rechtfertigen?”), der systematische Abbau von Fächern an der FU und der Skandal um die PolSoz Bibliothek.

Einerseits lässt sich nicht bestreiten, dass die beschriebenen Vorgänge stattfinden und alle Studierenden an der FU betreffen, andererseits wirkt das Ganze trotzdem zumindest streckenweisse immer noch recht abstrakt, es fehlt nach wie vor die Konzentration auf “zentrale Aufreger” an denen man ganz punktuell und knapp festmachen kann, warum der Widerstand gegen die FU-Administration so nötig ist. Im Warnstreik 2005 war neben den BA-Problemen z.B. das Chaos um das Campus Management ein solcher zentraler Treibsatz, der die Leute auf die Barikaden getrieben hat.

Insofern ist es richtig, dass der Bibliotheksskandal, der “Studierbarkeitsbericht” und das große Fächerschließen Erwähnung finden, jedoch werden andere zentrale Skandale die sich in diesem Semester ereignet haben, wie etwa die Scharenberg-Affäre oder die Story um Lenzens “Freiheitsdenkmal” nicht eingebracht, obgleich sie natürlich auch exemplarisch dafür stehen, wie die FU unter Lenzen transformiert oder besser deformiert wurde.

Vermutlich lassen sich mit der Feststellung, dass auf einmal 300.000 Bücher ausgesondert werden sollen, weil für die angeblich kein Platz mehr ist, mehr Leute mobilisieren, als mit einer etwas tiefer gehenden Analyse der negativen Aspekte der Exzellenzinitiative.

Natürlich reicht es nicht diese Skandal-Fallbeispiele chronologisch aneinanderzureihen, man wird schon noch die Linie aufzeigen müssen, in der diese gemeinsam stehen; so wie es in der Inhaltszeitung ja auch versucht wird. Doch wäre es aber zu Mobilisierungszwecken trotzdem besser gewesen, sich stärker auf die Vollständigkeit der Skandal-Liste zu konzentrieren, um zu unterstreichen, wie die Skandale zunehmen.

Zumindest auf den Flyern hätte man jedenfalls auch einfach nur die verschiedenen Skandale kurz auflisten können, damit jeder weiß, worum es konkret geht und dass diese Skandale in ihrer Summe immer unerträglicher werden.

Ob die Mobilisierungsstrategie wirklich die richtige war, wird sich heute herausstellen.

Der Aktionstag kommt

Januar 30, 2008

Morgen ist es soweit, der Aktionstag kommt. Inzwischen findet sich im offiziellen Blog des Aktionstages sogar ein extra Eintrag mit Button der dann zu einer Terminübersicht weiterleitet. Demnach sieht der geplante Ablauf zur Zeit wie folgt aus:

Ab 10 Uhr: Zentraler Infopunkt im Foyer – Silberlaube. Kaffee & Kuchen und Raum zum Austausch.

Ab 10 Uhr: Screening des letzten Studiobühnen Festivals am Institut für Theaterwissenschaft.

Ab 10 Uhr: 2x Filmvorführung: ‘Kick it like Frankreich!’ im Henry-Ford-Bau, Hörsaal A.

10-12 Uhr: Autonomes Seminar: ‘Einblicke in Lenzens Bildungs- und Unikonzept’, K23/11 Silberlaube.

11:00 Uhr: Workshop zum Thema: ‘Ab jetzt keine Ausländer mehr. – Die neue Studierfähigkeitsprüfung (TestAS) für Bildungsausländer in BWL / VWL ab WS 08/09. Wo kommt das her? Wo führt das hin? Und wie kriegen wir’s wieder weg? Treffpunkt um 11 im Hörsaalgang bei den Wirtschaftswissenschaftlern (Garystr. 21).

Ab 11 Uhr: Kreativwerkstatt: Transparente und Schilder für die Demo basteln. Hier wird Raum sein zu basteln, zu malen, zu schreiben… seid kreativ! (Stoffe und Farben sind vorhanden – wer aber selbst noch was auftreiben kann soll dies mitbringen). Ort: tba.

12:00 Uhr: Bodo Zeuner hält noch einmal seinen Vortrag: ‘Die FU vor dem Börsengang’, Philosophisches Institut.

13:45 Uhr: Der Chor der Studiobühne singt vor der Mensa (Silberlaube).

14:00 Uhr: Vollversammlung, Silberlaube Hörsaal 1a.

16:00 Uhr: Demo! Selber einen Redebeitrag leisten? Einfach per Email Kontakt aufnehmen. Die genaue Route der Demo findet ihr hier. Start: Vor der Silberlaube.

17:30 Uhr: VoKü – Essen für alle! (Du willst mithelfen? Dann reicht ne Email)

Ab 18 Uhr: Party! – Den Tag ausklingen lassen, sich austauschen, weiteres Planen… Und einfach mal wieder feiern!”

Auffällig ist, dass ausgerechnet das OSI hier kein einziges Mal als Veranstaltungsort genannt wird. Bedenkt man, dass das OSI ja doch irgendwie immer der Kern jeder Protestbewegung an der FU war, wirkt das schon komisch. Andererseits geht es ja darum, möglichst viele Studierende einzubinden und hier bietet sich natürlich die Rost- und Silberlaube als natürlicher, geographischer “Knotenpunkt” schon an.

Neben diesen offiziellen Veranstaltungen gibt es aber wie der Name des Tages ja schon suggeriert zahlreiche dezentrale Aktionen (von 10 bis 14 Uhr). Vorgeschlagen wurde unter anderem (O-Ton Protokoll):

  • “Elite kicken: mit einem Fußball auf eine Elitesymbol schießen
  • Dosenwerfen auf Lenzenbild
  • Auftritt in Anzug/Kostüm um für Studiengebühren zu werben
  • Gefakte Schlacht zwischen Lenzenfanclub und Aktionstagteilnehmern
  • Veranstaltung eines Elitewettbewerbs, bei dem durch verschiedene Kürzungsmaßnahmen nach und nach die einzelnen Studenten rausfliegen
  • In einer großen Kiste die Forderungen sammeln und im Rektorat abgeben
  • Diskussionsveranstaltung
  • Spontandemo
  • Eventuell auch wieder den Musikwagen wie am 29.01.08
  • Mit Mitarbeitern aus Verwaltung, Bib. und Studentenwerk zusammen arbeiten und Aktionen machen
  • Symbolisierung der Zusammenlegung von Instituten – nach dem Motto: Wie viele Leute passen auf eine abgesteckte Fläche”

Ob diese Aktionen tatsächlich alle stattfinden ist noch ungewiss, es handelt sich hier wie gesagt nur um Vorschläge. Und wo genau die Aktionen stattfinden werden, wird dann erst sehr kurzfristig z.B. auf Flyern zu erfahren sein.

FUwatch steht unterdessen bereits mit Pressevertretern in Kontakt und hilft diesen mit (hoffentlich) brauchbaren Hinweisen bei ihrer Berichterstattung über die Hintergründe des Aktionstages.

Folgebericht zum FU-”Studienerfolgsbericht” veröffentlicht

Januar 29, 2008

Wie der FSI Blog und der LHG Blog berichten, ist nun der Folgebericht zum inzwischen legendären “Studienerfolgsbericht” (siehe “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”) erschienen.

Während der erste Bericht erst auf Umwegen ins Netz gelangte, hat die FU den Nachfolgebericht mit dem Titel “Befragung der exmatrikulierten Bachelorstudierenden” diesmal lieber gleich selbst veröffentlicht.

Die Studie reiht sich insgesamt in die Taktik des Präsidiums ein fortlaufend zu relativieren, dass die schlechten BA-Studienbedingungen maßgeblich für die hohe Anzahl der BA-Abbrecher verantwortlich sind (“Nicht vorrangig ausschlaggebend scheinen Studienbedingungen und Studienanforderungen zu sein (…), S. 31″). Im FSI Blog heißt es dazu:

“Der AStA und viele andere nennen schlechte BA-Studienbedingungen als Hauptgrund. Ob der Bericht nun eine hin reichende Empirie für die Abbruch-Gründe liefert, gilt es, noch herauszufinden.

Dessen ungeachtet sei Eines in aller Deutlichkeit hervorgehoben. Warum auch immer so viele BA-Studierende abgebrochen haben und abbrechen:

Die FU-Abbruchquoten sind, wie der ‘Studienerfolgsbericht’ zeigt, im Vergleich zum Magister zum Teil erheblich gestiegen. Diese Tatsache kann und will auch der Exmatrikulierten-Bericht nicht in Frage stellen. Eines der Hauptargumente für die Einführung von BA und MA und des ‘Totalverbots’, wie es ein Student auf FUWatch formulierte, von Magister und Diplom durch deren Abschaffung (und damit der Abschaffung möglicher Alternativ-Wahlmöglichkeiten zu BA/MA), nämlich die Verringerung der Studienabbruchquoten und der Beschleunigung des Studiums, ist unwiderlegbar entkräftet.” (Studienerfolg und Exmatrikulation im Bachelorstudium an der Freien Universität Berlin, FSI Blog, 24.01.08)

Im LHG-Blog heißt es:

“Sie [Prof. Thiel, Anmerkung FUwatch] analysiert die vier ermittelten Cluster zwar separat, kommt aber fast immer zum gleicher Ergebnis: Die Informations-, Beratungs- und Betreuungsangebote müssen verbessert werden. Hierin haben wir Studierenden sicherlich eine gute Argumentationshilfe. Etwas hilflos schlägt sie allerdings bei der Gruppe der ‘Überforderten’ ‘kognitive und motivationale’ Auswahltests vor, die letztes Jahr an der FU-Psychologie allerdings (auch die FU-Leitung) als unnütz enttäuschten.” (Exmatrikuliertenstudie im Internet, LHG Blog, 24.01.08)

Nicht zum ersten Mal liest man bei der LHG hier eine starke Fixierung auf das Problemlösungskonzept der Verbesserung von “Informations-, Beratungs- und Betreuungsangeboten”. Soweit das Konstrukt der BA/MA-Einführung generell in Frage zu stellen geht man nicht, bzw. betrachtet die Rücknahme der neuen Studiengänge als nicht realistische Option. Selbst wenn man ihnen in diesem Punkt recht geben wollte und nur auf eine Reform der BA-Studiengänge drängt, bleibt die Frage, ob ein Ausbau der “Informations-, Beratungs- und Betreuungsangeboten” wirklich ausreicht oder ob man nicht andere Faktoren wie z.B. die Senkung des berüchtigten “Workloads” und eine Vereinfachung der Prozedur des Studienfachwechsels in die studentischen Forderungen miteinbeziehen sollte.

Wohin die Denke der FU tendiert erkennt man dagegen an dem Gefasel von “kognitiven und motivationalen Auswahlverfahren” und “elektronisch gestützten Verfahren des Selbstassessments” . Die Betreuungs- und Unterstützungsangebote sollen zwar auch ausgebaut werden, dies ist aber eben nur eine weitere Maßnahme neben der Intensivierung der “Eingangsselektion”.

“Frühzeitig Wechselnden”, die ihr Fach zunächst zur Orientierung oder zur Überbrückung gewählt haben, könne man dagegen nur durch eine “Verteuerung des Studiums” begegnen.

Interessant dürfte es werden, wenn man das Ergebnis dieses “Nachfolgeberichts” mit dem Ergebnis der studentische “Studierbarkeitsumfrage” vergleicht. Bezeichnend ist sicherlich schon jetzt, dass die FU zwar diesen “Nachfolgebericht” gerne veröfffentlichte, sich beim vorhergehenden “Studienerfolgsbericht” aber deutlich schwerer tat. Dies legt zumindest den Verdacht nahe, dass der Nachfolgebericht deutlich mehr dem Wunschergebnis des Präsidiums entsprach als der Studienerfolgsbericht.

TU nach wie vor ohne neues StuPa

Januar 28, 2008

In einem aktuellen Eintrag im BBFB-Blog wird darauf hingewiesen, dass an der TU ein neues Info des Gegen-AStAs erschienen ist. Der Gegen-AStA hatte sich gebildet, nachdem der alte RCDS-dominierte AStA die Wahlen im Juni 2007 zwar verloren hatte, sich aber weigerte abzutreten und versuchte das Wahlergebnis anzufechten (siehe “Gegen-AStA an der TU gebildet / Durchbruch für heute erwartet”).

Nachdem es zwischenzeitlich so ausgesehen hatte, als könne sich das neue StuPa endlich konstituieren, musste dieser Traum schnell wieder begraben werden (siehe “Immer noch kein neuer AStA an der TU”). Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte das zuständige Verwaltungsgericht bereits Ende 2007 die Konstituierung des Parlaments untersagt. Die taz schreibt:

“Das Gericht stellte fest, dass sich das Studierendenparlament vor der Wahl nicht neutral verhalten hat. Ob und wann eine neue Wahl stattfindet, ist unklar. ‘Die Beschwerdefrist ist noch nicht abgelaufen, zudem sind dem Verfahren weitere Klagen anhängig’, sagt Stephan Großcurth von der Pressestelle des Gerichtes.

Max Bayerer vom Breiten Linken Bündnis, das eigentlich als Sieger aus der Wahl hervorgegangen ist, hat ankündigt, Beschwerde gegen die Gerichtsentscheidung einlegen. Der Streit ist also noch lange nicht beigelegt – und turnusgemäß wird im Sommer 2008 das 29. Studentenparlament gewählt. Das 28. Parlament wird somit voraussichtlich als die Studierendenvertretung in die Geschichte eingehen, die nie getagt hat.

Wie es dazu kam: Aus den Reihen des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) wurden im Juni 2007 Einwände gegen das Wahlergebnis erhoben, weil auf der offiziellen Internetseite des Studentenparlamentes ein Verweis zum Breiten Linken Bündnis gewesen sei. Das erkannte nun auch das Verwaltungsgericht als einen ‘evidenten Wahlfehler’ an. (“Studierende ohne Vertreter”, taz, 21.01.08)

Es ist also denkbar, dass sich das 28. StuPa aus dem Jahr 2007 nie konstituieren wird und es im Juni dann gleich mit den Wahlen zum 29. StuPa 2008 weitergeht. Eine Variante, die bei diesem ewigen Hickhack vielleicht noch als beste Lösung gelten könnte, um endlich ein Schlusstrich unter das Theater ziehen zu können. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, da die TU darunter leidet, kein neues StuPa und kein neuen AStA zu haben. Denn inwiefern die immer noch RCDS-dominierten Institutionen Übergangs-StuPa und Übergangs-AStA überhaupt handlungsfäig sind, ist umstritten.

“Er [der RCDS-dominierte AStA, Anm. FUwatch) erledigt an der TU zurzeit nur die nötigen Aufgaben. Platz für neue Impulse und Aktionen bietet die unklare Situation nicht. Die Studierendenpolitik ist praktisch zum Erliegen gekommen”, fasst die taz zusammen.

Zumindest das Problem, dass sich das neue StuPa angeblich hätte konstituieren müssen, um die Urabstimmung über eine Verlängerung des Semestertickets zu initiieren, wurde offenbar gelöst, denn die Urabstimmung fand Mitte Dezember statt. Eine klare Mehrheit sprach sich für die Fortführung des Semestertickets aus.

Grottian wegen Fahrerflucht verknackt

Januar 27, 2008

Wie die taz in ihrer Ausgabe vom 24.01. berichtet, ist Prof. em. Peter Grottian wegen Fahrerflucht verurteilt worden. Er muss eine Geldstrafe von 3.440 Euro zahlen und darf drei Monate nicht fahren.

Bei dieser so genannten “Fahrerflucht” hatte Grottian mit seinem BMW-Cabrio nach einem Schlachtenseeausflug beim Ausparken ein anderes Auto touchiert und anschließend einen Zettel mit einem Schuldeingeständnis, seinem Namen und seiner Nummer an der Windschutzscheibe hinterlassen. Ohne weiteres hätte der Geschädigte also Prof. Grottian einfach kontaktieren können, um die Sache finanziell zu lösen. Stattdessen erstattete der Geschädigte aber Anzeige wegen Fahrerflucht.

Prof. Grottian wurde vom Amtsgericht daraufhin verurteilt und darüber aufgeklärt, dass es nicht reiche, einen Zettel an der Windschutzscheibe zu hinterlassen. Dieser könne leicht weggeweht oder vom Regen ausgewaschen werden, wie eine Pressesprecherin der Polizei laut taz erklärte (in einem vorhergehenden Artikel vom 22.01.). Stattdessen hätte er entweder die Polizei verständigen oder auf den Besitzer des beschädigten Fahrzeugs warten müssen (letzteres versuchte Grottian eine halbe Stunde lang).

Verschlimmernd kam für Prof. Grottian hinzu, dass er bereits als Wiederholungstäter in Sachen Fahrerflucht galt. Das letzte Mal wurde er verurteilt, weil er einen anderen Wagen zugeparkt hatte. Da Grottian in Sachen Nötigung im Kontext seines politischen Engagements (ziviler Ungehorsam, etc.) immer wieder in den Schlagzeilen war, hatte sein Anwalt die Sache damals auf Fahrerflucht gedreht – eine Strategie, die sich jetzt wo Grottian erneut wegen Fahrerflucht vor Gericht stand rächte.

Hinzu kam laut taz, dass Grottian zwar seit 40 Jahren unfallfrei fährt, aber wegen des Überfahrens einer roten Ampel und “geringfügiger Fahrüberschreitung” in Flensburg schon ein paar Punkte hat.

Aktionstag goes Social Networking

Januar 25, 2008

Inzwischen wird der Aktionstag am kommenden Donnerstag (31.01.08) überall auf dem Campus mit Flyern stark beworben. Zumindest in dieser Hinsicht sieht es so aus, als könnte die Sache ein Erfolg werden (es sieht jedenfalls besser aus, als bei der eher sparsamen und verhältnismäßig kurzfristigen Bewerbung der G8-Themenwoche im letzten Semester).

Und da ich zur Zeit ohnehin Social Network Plattformen teste, habe ich den Aufruf zum Aktionstag hier virtuell massiv verbreitet. Zumindest bei beliebten sozialen Netzwerken wie StudiVZ macht dies durchaus Sinn, weil sich hier besonders jüngere KommilitonInnen fast täglich aufhalten und über diesen virtuellen Kanal unter Umständen leichter erreicht werden können, als real über Flyer.

Falls möglich habe ich immer versucht den Aktionstag als “Event” in das jeweilige Netzwerk einzustellen. Sofern vorhanden natürlich am besten immer im Bereich “FU Berlin”. Bei einigen Plattformen gibt es keine Event-Funktion, hier habe ich dann eine Gruppe gegründet oder einen Diskussionsbeitrag ins Board gestellt.

Leider muss man bei vielen der unten genannten Websites erst einmal Mitglied sein (eingeloggt sein), damit der Link funktioniert.

Campux
Campux.com ist eine weitere Social Network Alternative zu StudiVZ, der Dienst hat sich auf länderübergreifende Studienerfahrungen spezialisiert und versucht mit seinem Angebot besonders die – vermeintliche oder tatsächliche – Internationalität und Mobilität der modernen Studierendenschaft zu fokussieren. Für den Aktionstag habe ich hier eine eigene Gruppe eingerichtet und im Netzwerk “FU Berlin” auch den Aufruf als Diskussionsbeitrag eingestellt.

Care2
Care2.com ist ein links-alternatives Social Network das sich besonders an die neue Bürgerrechts- und Ökologie-Bewegung in den USA richtet. Auch hier ist der Aktionstag nun mit einer eigenen Gruppe präsent.

Facebook
Facebook ist das zur Zeit am schnellsten wachsende und beliebteste Social Network im englischsprachigen Raum. Ursprünglich als reines Studierenden- und Alumni-Netzwerk gegründet ist es heute ein breiter angelegtes Social Network, das früher oder später MySpace als DAS Social Network schlecht hin ablösen wird. Ich habe hier einen Event zum Aktionstag kreiert, den Aufruf aber auch in der FU Berlin- und der OSI-Gruppe platziert.

Kaioo
Als gemeinnütziges Non-Profit-Unternehmen versteht sich Kaioo als Gegenentwurf zu rein kommerziellen Anbietern wie StudiVZ (ausführlich siehe “Kaioo als Alternative zu StudiVZ?”). Auch hier habe ich eine Group extra für den Aktionstag gegründet und den Aufruf auch in bereits bestehenden Gruppen gepostet.

Lokalisten
Lokalisten.de ist ein allgemeines Social Network das sich besonders auf die regionale Vernetzung seiner Nutzer konzentriert, es geht hier also besonders um die reale, geographische Nähe in der die Mitglieder zueinander leben. Das von mir eingestellte Event wurde allerdings inzwischen schon wieder gelöscht, da grundsätzlich keine Events beworben werden dürfen, die etwas mit “Sex, Gewalt oder Politik” zu tun haben. Beeindruckend wie selbstverständlich hier “Politik” in diese Reihe aufgenommen wird…

MySpace
MySpace.com ist sozusagen die “Mutter aller Social Networks” (im Kontext von Web 2.0), bei dem es ursprünglich hauptsächlich um Musik und Bands ging. Diesen Schwerpunkt hat MySpace auch heute noch, es ist aber natürlich längst ein viel allgemeineres Social Network geworden. Auch hier habe ich für den Aktionstag ein Event reingestellt.

StudiVZ
StudiVZ ist inzwischen so etwas wie der “Bad Boy” unter den deutschsprachigen Social Networks. Doch trotz Skandalen und Negativ-Schlagzeilen ist es unter Studierenden im deutschsprachigen Raum nach wie vor die mit Abstand beliebteste Plattform zur Kommunikation und Vernetzung. Events kann man keine generieren, ich habe daher für den Aktionstag eine Group eingerichtet und den Aufruf dann auch noch in die Diskussionsboards von diversen anderen Groups eingestellt.

Xing
Xing.com (sprich: Crossing), ehemals OpenBC, ist das in Deutschland (und inzwischen vermutlich auch in Kontinentaleuropa) am stärksten frequentierte Karrierenetzwerk. Eine eigene Gruppe kann man hier ohne Premium-Mitgliedschaft nicht einrichten, ich habe den Auruf daher in das Diskussionsboard “Familien- und Bildungspolitik” der Gruppe “Politik” gepostet. Ob es sich da hält ohne gelöscht zu werden wird sich noch zeigen, denn eigentlich wird dort nur Schulpolitik, nicht aber Hochschulpolitik diskutiert. Zudem ist “Werbung” untersagt, wobei unklar ist, ob sich das auf rein kommerzielle Werbung beschränkt oder auch “Werbung” für eine politische Veranstaltung meint.

Ich bin nach wie vor skeptisch, was den Erfolg dieses Aktionstages angeht; was dabei wirklich rumkommen soll. Allerdings ist er ja nun mal beschlossen und die Missstände gegen die er sich richtet sind vorhanden. Von daher erscheint es mir richtig, die Mobilisierung weiter voran zu treiben und zu versuchen für diesen Aktionstag auch über virtuelle Kanäle Aufmerksamkeit zu erzeugen. Man sollte der Idee eines solchen Aktionstages zumindest eine Chance geben.

FBR legt sich nicht fest, Bibliotheksstreit geht munter weiter

Januar 24, 2008

Auch in der gestrigen Sitzung des Fachbereichsrat (FBR) konnte der Bibliotheksstreit nicht beigelegt werden. Nach wie vor geht es um die Frage, ob die neue Gesamt-Bib (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik) des FB PolSoz ausgebaut wird (bzw. in ein neu zu errichtendes Gebäude zieht, denn der Platz reicht einfach nicht) oder ob die gesamte PolSoz-Bib in die Universitätsbibliothek (UB) integriert wird, was zur Folge hätte, dass der Fachbereich keine eigene Fachbibliothek mehr hätte – und mehrere hunderttausend Bücher ausgesondert werden müssten.

Zum ersten Mal war mit der FU-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl eine Vetreterin des Präsidiums anwesend. Diese konnte jedoch auch nicht sagen, wie viele Bücher nun genau bei einer Aufnahme der PolSoz-Bib in die UB ausgesondert werden würden. Wie die FSI OSI in einem ausführlichen Bericht über die Sitzung darstellt, findet der “UB-Plan” des Präsidiums offenbar zumindest in den Führungsebenen Zustimmung:

“Letztere Lösung wird vom Präsidium, der OSI- und UB-Leitung und zumindest von Teilen des Instituts- und Fachbereichsrats favorisiert. Die Gründe dafür ergeben sich ganz einfach aus den üblichen ‘Sachzwängen’. Vor allem die chronisch knappen Kassen der Hochschulen und anstehende MÖGLICHE (nicht beschlossene) weitere Kürzungen im Jahr 2009 wurden als Begründung für die nötige ‘Bestandsbereinigung’ (Fr. Lehmkuhl) angeführt.” (“Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung”, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Dennoch sei die Entscheidung keineswegs schon endgültig getroffen, wie Frau Lehmkuhl betonte. Denn ausschlaggebend ist für eine solche Entscheidung laut Berliner Hochschulgesetz nur der Fachbereich, was das Präsidium sicherlich auch im Hinterkopf hat. Frau Lehmkuhl kündigte daher die Einrichtung eines “Runden Tisches” an, an welchem der Sachverhalt zwischen Präsidium und dem Dekanat des Fachbereichs verhandelt werden soll. Studierende und Bib-Angestellte sind an diesem Tisch also nicht vertreten, was unter den anwesenden Studierenden für starken Unmut sorgte. Im FSIs Blog kann man nachlesen:

“Zu offenem Unmut seitens der Studierenden führte dann ihre Vorstellung von der Zusammensetzung des ‘Runden Tisches’ Erst nach mehrmaligem ausdrücklichen Nachfragen seitens der Studierenden wurde Frau Lehmkuhl deutlich: Studierende werden nicht an diesem ‘Runden Tisch’ sitzen, sondern seien ja indirekt durch das Dekanat des FB PolSoz vertreten. Vorher hatte sie schon bemerkt, dass sie die Position der Studierenden ja gut kenne, da sie selbst auch mal studiert hätte.

Diese Entwicklung ist nur ein weiteres Beispiel für die Ausschließung studentischer Interessen an der Freien Universität Berlin! Im Präsidium wird anscheinend die Auffassung vertreten, man wüsste schon, was für die Studierenden gut sei.” (“Update zur Schließung der Fachbibliotheken”, FSIs Blog, 23.01.08)

Am Ende konnte dann aber zumindest erreicht werden, dass Studierende zukünftig in die bereits bestehende Bibliothekskommission aufgenommen werden:

“Der FBR beschloss letztendlich, die bestehende Bibliothekskommission um die noch nicht vertretenen Statusgruppen, d.h. vor allem Studierende, zu erweitern, und mit dieser erweiterten Bibliothekskommission die Entwicklungen und Planungen am FB PolSoz im Auge zu behalten. Der FBR soll nur auf Grundlage der Empfehlungen dieser Kommission eine Entscheidung über die Bibliotheksstruktur treffen, und – last but not least – der Fachbereich soll sich diese Entscheidung auch nicht aus der Hand nehmen lassen.” (“Von Bestandsbereinigung, Runden Tischen und Präsidialer Entscheidungsfindung”, FSI OSI Blog, 23.01.08)

Fraglich ist, dass diese Kommission überhaupt Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann, wenn der eigentliche “Deal” doch im Hinterzimmer (“Runder Tisch”) zwischen Präsidium und einer / einem VertreterIn des Dekanats ausgehandelt wird. Der FBR soll sich offiziell an die Empfehlung der Kommission halten, ob die Entscheidungsprozesse aber nicht inoffiziell ganz anders ablaufen, wird sich zeigen.

Was aus den Berichten leider nicht hervorgeht ist, wie eigentlich das Kräfteverhältnis im FBR zwischen der Pro-UB-Plan-Fraktion und der Kontra-UB-Plan-Fraktion ist. Aber vermutlich ist das auch noch nicht klar erkennbar.

Denn wenn die Dekanin Prof. Riedmüller als Befürworterin des UB-Plans in der Minderheit ist, ständen die Chancen diese Sache noch aufhalten zu können wohl deutlich besser, als wenn sie die Position der Mehrheit in diesem Gremium vertritt.

Kaioo als Alternative zu StudiVZ?

Januar 23, 2008

Wie die WELT (die massiv versucht das inzwischen zu Holtzbrinck gehörende StudiVZ an die Wand zu schreiben, nachdem der Axel Springer Verlag beim Verkauf von StudiVZ im Januar 2007 nicht zum Zuge gekommen ist, obgleich er ja angeblich auch Unsummen geboten haben soll) berichtet, sollen sich bei StudiVz inzwischen 20.000 Mitglieder wegen der AGB-Politik des Portals in einer Protestgruppen zusammengeschlossen haben.

Weitere “Hunderte” hätten Beschwerde-Emails versendet und ein Prozent aller Nutzer sei gleich ganz ausgetreten. Das wesentlich größere Problem für Holtzbrinck sei indes, dass die verbliebenen Nutzer zunehmend falsche Angaben machten, ihre Daten somit unbrauchbar würden (“Genervte Mitglieder sabotieren StudiVZ”, Die WELT, 19.01.08).

Widerstandsformen gegen StudiVZ nur bedingt tauglich

Doch die Möglichkeiten die eigenen Daten zu anonymisieren erreichen schnell ihre Grenze, denn um das soziale Netzwerk sinnvoll nutzen zu können, muss man zumindest über den eigenen Real-Namen für Bekannte und KommiltonInnen auffindbar sein. Auch wenn man den Kontakt zu Personen sucht, die an derselben Uni wie man selbst ist, die vielleicht dieselben Interessen haben, usw., dürfen diese Personen bei der Angabe dieser Informationen nicht “gelogen” haben, sonst funktioniert die Netzwerk-Idee eben nicht. Der Ansatz StudiVZ in die Knie zu zwingen, indem man nur noch mit einem Fake-Profil zugegen ist, taugt also nur sehr bedingt.

Entsprechend gelassen sehen die Verantwortlichen bei StudiVZ angeblichen den momentanen Protest. “Der Trend zur Namensfälschung ist rückläufig” ließ StudiVZ-Chef Marcus Riecke gegenüber der WELT verlautbaren (“Genervte Mitglieder sabotieren StudiVZ”, Die WELT, 19.01.08).

Und in der taz kann man lesen: “Die Proteste der vergangenen Wochen haben das Investment kaum in Gefahr gebracht. Tatsächlich habe man an ein paar Tagen mehr Austritte gezählt als sonst, sagt Dirk Hensen. Dass sich 1 Prozent der Mitglieder abgemeldet habe, fiele kaum ins Gewicht. ‘Wir wachsen jeden Tag fünfstellig, das gleicht den Verlust um ein Vielfaches aus’” (“StudiVZ-Mitglieder kuschen: Studenten heiß auf Werbung im Netz”, taz, 15.01.08).

Die Situation lässt sich also mit einem “Was interessiert es den Baum, wenn die Sau sich an ihm reibt / der Hund ihn anpinkelt” zusammenfassen. StudiVZ ist auf dem deutschsprachigen Markt als soziales Netzwerk für Studierende inzwischen so dominant, dass es sich die paar “Rebellen”, die dann wirklich ernst machen mit einem Ausstieg oder dem Verfälschen ihres Profils, leisten kann.

Facebook hat dieselben Probleme

Die Luft wird für StudiVZ wenn überhaupt erst dünner, wenn Facebook wie geplant im kommenden Frühling in den deutschen Markt einsteigt (einen deutschen Ableger seines Portals bereitstellt). Denn verglichen mit Facebook (Markwert angeblich zwischen 15 und 20 Milliarden USD) ist StudiVZ nach wie vor nur ein Mickey-Maus-Club.

Die Frage ist nur, ob Facebook dann wirklich eine brauchbare Alternativ zu StudiVZ darstellen wird. Da die AGB- / Datenschutz-Problematik dort dieselbe ist (zuletzt siehe “Offene Fragen zum Datenschutz bei Facebook und StudiVZ”, heise newsticker, 21.01.08), muss man darauf wohl eher mit “Nein” antworten.

Kaioo als “echtes”, gemeinnütziges soziales Netzwerk

Kaioo.com ist eine Alternative zu MySpace, Facebook, StudiVZ und Co., die für sich in Anspruch nimmt, ein “echtes” soziales Netzwerk zu sein. Damit ist gemeint, dass “sozial” hier nicht nur auf die Verbindung der Mitglieder untereinander verweist, sondern dass das gesamte Netzwerk einem “sozialen Zweck” dient.

Denn Kaioo ist ein gemeinnütziges Non-Profit-Unternehmen, alle Einnahmen werden – sofern sie nicht dem Selbsterhalt des Portals dienen – an wohltätige Projekt gespendet. Der Clou dabei: Die Nutzer können einmal im Jahr darüber abstimmen, welchen Projekten genau die finanziellen Mittel zukommen sollen (“Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck”, Spiegel Online, 17.11.07).

Der angenehme Nebeneffekt soll dabei sein, dass Kaioo angeblich per se kein Interesse daran hat, Nutzerdaten zu verwerten:

“3) Warum kann sich der Nutzer sicher sein, dass kaioo Daten nicht an Dritte weitergibt?

Herkömmliche Social Communities müssen Ihren Gewinn maximieren, um für Ihre Investoren/Eigentümer eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Die Verwertung von Nutzerdaten liegt also auf der Hand. Dagegen muss kaioo als gemeinnützige Organisation seine Gewinne nicht maximieren, so dass kein Interessenkonflikt zwischen Gesellschaftszweck und Datenschutz besteht.” (Fragen und Antworten zu kaioo, Kaioo.com)

Konfliktlinien wie sie bei herkömmlichen Soical Networks zwischen Betreibern und Nutzer entstehen, weil der Betreiber Nutzerdaten an Dritte weitergeben möchte bzw. sie analysieren möchte um dann personalisierte Werbung einblenden zu können, soll es hier also nicht mehr geben.

Das Problem: Hinter Kaioo stehen Bertelsmänner

Mal abgesehen davon, dass es auch bei Kaioo ein paar Unstimmigkeiten in den AGBs gibt und das Portal technisch noch nicht ganz ausgereift ist, konzentriert sich die Kritik im Netz zur Zeit vor allem darauf, dass Kaioo von zwei Bertelsmann-Vertretern (einem Aktiven und einem Ehemaligen) gegründet wurde und betrieben wird.

Rolf Schmidt-Holtz ist zur Zeit Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Music Group (BMG). Er hat Kaioo zu 100% aus seinem Privatvermögen finanziert, und leitet das Portal zusammen mit Thomas Kreye, der ursprünglich von Schmidt-Holtz zu Bertelsmann geholt wurde, heute aber hauptamtlich für Kaioo arbeitet, während Schmidt-Holtz nach wie vor seine Position bei BMG wahrnimmt (Wikipedia).

“Idee und Umsetzung stammen vom ehemaligen Leiter Business Development von Bertelsmann, Thomas Kreye, der Anfang des Jahres beim Gütersloher Medienkonzern für seinen ‘Traum von einer wirklich sozialen, demokratischen und völlig unabhängigen Gemeinschaft im Internet’ gekündigt hatte.” (“Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck”, Spiegel Online, 17.11.07)

Beide, Schmidt-Holtz und Kreye, sind zu je 50% geschäftsführende Gesellschafter (Wikipedia). Schmidt-Holtz betont, dass sein Interesse für Kaioo rein privater Natur ist und es keine Verbindungen zu BMG gibt:

“Die Anlauffinanzierung und operative Kosten des Projekts in Höhe von rund einer halben Million Euro werden für mindestens ein Jahr komplett vom Vorstandschef des Musikriesen Sony BMG, Rolf Schmidt-Holtz übernommen, der sich jedoch rein privat für das Projekt engagiert. Schmidt-Holtz betont, dass es keinerlei Verbindung zu dem von ihm geleiteten Plattenriesen gibt.” (“Spendengenerator Kaioo: Flirten für den guten Zweck”, Spiegel Online, 17.11.07)

Kann man den beiden also abnehmen, dass es bei Kaioo wirklich nur um ein gemeinnütziges Projekt geht? Ohne Hintergedanken, ohne die Daten am Ende nicht doch zur Weiterverarbeitung für einen der zahlreichen Bertelsmann-Zweige ausschlachten zu wollen?

Kaioo und Bertelsmann

Anders als StudiVZ richtet sich Kaioo nicht explizit nur an Studierende, es sind aber zur Zeit wohl schon hauptsächlich Studis die von StudiVZ nach Kaioo abwandern und dort heimisch werden.

Studierende, besonders jene die links-alternativ sind, haben aber seit jeher ein ausgesprochen angespanntes Verhältnis zu Bertelsmann. Ursächlich für diese studentische Antipathie ist neben anderen Faktoren hauptsächlich das Selbstverständis der Bertelsmann Stiftung in diesem Land festlegen zu wollen, wo es in der Bildungspolitik hingehen soll (Stichwort CHE). Und der Bertelsmann/CHE-Weg ist sicherlich nicht der Weg der linken Studierendenschaft. Folglich missfällt einigen kritischen BeobachterInnen die Verbindung zwischen Bertelsmann und den Gründern von Kaioo.

Der ausführlichste Artikel zu diesem Thema wurde vom AStA der Uni Wuppertal veröffentlicht, dort kann man lesen:

“Kaioo könnte besonders interessant für die dritte große Institution der Bertelsmann-Stiftung sein: das Centrum für angewandte Politikforschung mit Sitz in München, dass als Think-Tank umfangreiche Meinungsumfragen durchführt und diese in Strategiepapieren mit dem Credo der Stiftung, sprich mit marktradikalen Ansätzen, zu verbinden versucht.

Letztendlich operiert das CAP stets mit den Formulierungen, die auf den geringsten öffentlichen Widerstand stoßen. Kaioo erklärt in der Datenschutzerklärung, ‘das Verhalten seiner Nutzer analysieren’ zu wollen. In den ABGs behält sich kaioo.com vor, die Datenschutzbestimmungen ebenso wie die AGBs jederzeit erneuern zu können (StudiVZ, ich hör dir trapsen…)” (“Vom StasiVZ in die Bertelsmann-Datenbank?”, AStA Uni-Wuppertal, 16.01.08)

Die Hauptkritik fusst allerdings auf der hypothetischen Möglichkeit, dass Kaioo die angesammelten Daten vielleicht doch weiterverarbeiten möchte:

“Starke Kopfschmerzen sollte man spätestens mit Blick auf eine weitere Bertelsmann-Tochter bekommen: die arvato AG. Öffentlich wenig bekannt, da nicht für Privatpersonen tätig, versteht sie sich selbst als Service und Logistikdienstleisterin, die weltweit für Regierungen, Parteien und GroßunternehmerInnen tätig ist. In ihrer Selbstdarstellung wirbt sie Unternehmen mit der ‘systematischen Gewinnung und Nutzung qualifizierter Adressen’. Auf deutsch: arvato verfügt über die größte kommerziell nutzbare Adressdatenbank Europas und ist gleichzeitig deren größte Lieferantin.

Wer sich bei kaioo.com registriert, muss ‘zwingende Angaben’ machen gemacht werden zu ‘Vorname und Nachname, Geschlecht, Geburtstag, Land, Regionalnetzwerk (Bundesstaat/Provinz/Region), Sprache, Berufsstatus, Stadt, Email-Adresse’. Und wer Eins und Eins zusammenzählt, kann sich denken, was mit den persönlichen Daten passiert.” (“Vom StasiVZ in die Bertelsmann-Datenbank?”, AStA Uni-Wuppertal, 16.01.08)

Das Problem dieses Artikels ist natürlich, dass er rein konjuktivistisch geschrieben ist. Denn Beweise oder Indizien für einen Missbrauch der Daten durch Kaioo gibt es natürlich keine, es geht hier allein um die potentielle Möglichkeit eines Missbrauchs. Ungefiltert wird die Kritik am Bertelsmann Konzern 1:1 auf das neue Kaioo-Portal projiziert.

Die Aussage von Kreye und Schmidt-Holtz, dass Kaioo nichts mit Bertelsmann zu tun hat, erscheint dem / der AutorIn offenbar so absurd, dass sie nicht einmal als vielleicht doch wahr in Erwägung gezogen wird. Allein: Es gibt zur Zeit nichts, was konkret darauf hindeutet, dass Kreye und Schmidt-Holtz doch irgendwelche weiterführende Ambitionen mit Kaioo haben. Ausführungen darüber, was Bertelsmann unter Umständen alles aus so einem Portal ziehen könnte, bleiben folglich rein spekulativ.

AGBs und Datenschutz

Einzig denkbarer Ansatzpunkt für Indizien die dagegen sprechen, dass die Betreiber “gute Absichten” haben, wären zur Zeit die AGBs und die Datenschutzerklärung. Dort heißt es:

“kaioo gibt Ihre Daten nicht an Dritte weiter, es sei denn, es besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Weitergabe (z.B. bei Anfragen von Strafverfolgungsbehörden und sonstigen staatlichen Einrichtungen mit entsprechenden Befugnissen).” (Datenschutzerklärung, Kaioo.com)

“Mit der Gestaltung seiner Seite bei kaioo räumt das Mitglied kaioo die für die kaioo-Dienstleistung erforderlichen Rechte ein, insbesondere zur Vervielfältigung, Änderung, Verbreitung und Veröffentlichung der eingestellten Inhalte. Die Nutzungsrechte können im Rahmen der kaioo-Dienstleistung auch auf Dritte übertragen werden; die Nutzungsrechte werden räumlich und zeitlich unbeschränkt, aber nicht exklusiv eingeräumt, so dass das Mitglied seine Inhalte auch selbst weiternutzen kann.” (AGBs, Kaioo.com)

Die persönliche Daten werden also laut Datenschutzerklärung nicht an Dritte weitergereicht (es sei denn aufgrund “gesetzlicher Verpflichtungen”), wohl aber können “im Rahmen der kaioo-Dienstleistung” Nutzungsrechte (an durch den User eingestellten Inhalten) auch auf Dritte übertragen werden. Zu differenzieren ist bei der Betrachtung also zwischen persönlichen Daten (Name, Wohnort, usw.) und so genannten “eingestellten Inhalten”, wie z.B. ein Diskussionsbeitrag in einem Forum.

Da nun Kaioo nach eigenen Angaben nicht zu Bertelsmann gehört, wäre Bertelsmann ein Dritter, an den zumindest die persönlichen Daten nicht übertragen werden dürften. In diesem Kontext ist auch folgender Passus zu sehen:

“kaioo kann das Verhalten seiner Nutzer analysieren, um das inhaltliche Angebot besser auf die Bedürfnisse der Nutzer abstimmen zu können. Die Daten werden jedoch nicht personenbezogen verarbeitet, sondern die Identität des Nutzers bleibt anonym.” (Datenschutzerklärung, Kaioo.com)

Ja, Kaioo kann die Daten für sich analysieren, es kann die Daten aber nicht einfach an das “Centrum für angewandte Politikforschung” oder die “arvato AG” weiterreichen, denn das sind hier Dritte. Interessant wird es dann, wenn es um das Ergebnis der Analyse geht. Denn ein Ergebnis das auf einer Datenauswertung aufbaut, ist womöglich anders zu werten, als die Daten selbst. Kaioo könnte hier ggf. vielleicht spitzfindig argumentieren, es habe wie versprochen keine Daten weitergegeben, sondern nur die Auswertungsergebnisse der Datenanalyse. Oder aber z.B.: Es habe keine persönlichen Daten weitergeben, sondern nur nicht personenbezogene, die sich aus einer Analyse des Verhaltens der User (auf der Plattform) ergeben haben.

Natürlich gibt es tausend hypothetische (Schleich)wege, wie Kaioo Daten indirekt oder direkt (durch Verstoß gegen die eigenen Richtlinien) an Bertelsmann oder sonst wen durchsickern lassen könnte. Die Frage ist nur, ob allein die Tatsache, dass die Gründer eine Verknüpfung zum Bertelsmann-Konzern haben ausreicht, um zu unterstellen, es würde so einen Transfer sicherlich früher oder später geben (trotz Zusicherung die Daten würden nicht weitergeleitet, trotz klarer Aussage Kaioo habe nichts mit Bertelsmann zu tun). Und ich meine, das ist einfach zu dünn.

Fazit

Kaioo ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, es ist aber vom Ansatz her ein klarer Fortschritt gegenüber vergleichbaren, rein kommerziellen Angeboten wie Facebook oder StudiVZ. Entscheident bei der Bewertung des Angebotes ist letztendlich, wie ernst es den Betreibern mit diesem Ansatz ist. Dies wird sich erst noch herausstellen.

Tatsache ist zunächst einmal, dass Kaioo als gemeinnützig anerkannt wurde. Das daraus abgeleitete Argument, dass man ohne Gewinnmaximierungsdruck auch nicht verleitet wird, Daten weiterzuverticken, kann sicherlich bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal stehen bleiben. Die personelle Verknüpfung der beiden Gründer mit Bertelsmann muss natürlich kritisch gesehen werden, allerdings greift eine Kritik die allein darauf rekuriert zu kurz. Denn aus einer Verknüpfung zwischen Bertelsmann und den Gründern, ergibt sich eben keineswegs auch zwangsläufig eine Verbindung zwischen Bertelsmann und Kaioo.

Es empfiehlt sich aber dennoch sich auch bei Kaioo nicht übermäßig generös zu zeigen, wenn es um die Preisgabe der eigenen Daten geht. Dies ist eine ganz grundsätzliche Regel bei der Nutzung von Diensleistungen jeglicher Art im Internet. Man sollte auch bei “Social Networks” keine Angaben zu Dingen machen, die man selber für das Networking nicht zwangsläufig braucht.

Ferner brauchen natürlich Studierende die bisher auch ohne “social networking” Portale wie StudiVZ oder Facebook ausgekommen sind, auch nicht zwangsläufig Kaioo. Es geht eher um KommilitonInnen die bisher StudiVZ regelmässig genutzt haben und auf einen solchen Online-Dienst nicht verzichten möchten. Für die wäre Kaioo durchaus eine Alternative.

Kaioo leidet zur Zeit unter technischen Defiziten, nicht zuletzt weil es sich erst im Aufbau befindet. Die Einschränkungen sind allerdings nicht so groß, dass das Portal generell unbenutzbar wäre. Man wird sehen, inwiefern sie diese Defizite in naher Zukunft tatsächlich abbauen können.

Es bleibt ferner abzuwarten, wie sich die Idee, die durch Werbung eingenommenen Spenden demokratisch durch eine Abstimmung der Nutzer an verschiedene wohltätige Projekte zu verteilen, konkret ausgestalten wird.

Es sei abschließend noch darauf hingewiesen, dass Kaioo natürlich nicht das einzige soziale Netzwerk mit einem alternativen Ansatz ist. Zu nennen wäre hier z.B. auch noch “Care2″, das sich besonders an links-alternative, ökologische, neue (Bürgerrechts- / Graswurzel-) Bewegungen (MoveOn.org, Green Living, usw.) in den USA richtet. Allerdings ist das Portal technisch rückständig, hat ein wirklich grausames Look-and-Feel und wirkt für seine Ansprüche doch recht stark durchkommerzialisiert (Puppy dog Bannerwerbung bis einem die Augen platzen).

Das ultimative “Indymedia 2.0″ im Bereich Social Networking fehlt jedenfalls nach wie vor.

Die AStA-Koalition hat fast eine 3/4-Mehrheit im StuPa

Januar 22, 2008

Die StuPa-Wahlen sind vorüber und die Ergebnisse liegen vor. Eigentlich wäre es ein Tag zum Feiern für die Opposition: Die Jusos gewinen 2 Stimmen hinzu und haben jetzt 5, SDS / DIE LINKE.FU bekommen eine Stimme hinzu und sind jetzt bei 4 und die LHG konnte sich ebenfalls um eine Stimme auf jetzt 4 insgesamt steigern.

Und dennoch hat es die AStA-Koalition im Vergleich zum Vorjahr noch einmal geschafft, ihre Dominanz im StuPa weiter auszudehnen. Die FSI OSI rechnet vor, dass von den 60 Sitzen im StuPa 44 an die AStA-tragenden Gruppierungen gehen. Damit verfügt der AStA nun fast über eine erdrückende 3/4-Mehrheit.

BeobachterInnen rätseln zur Zeit wie es ausgerechnet den Jusos gelingen konnte, stärkste Oppositionsgruppe zu werden. Besonders, da die Wahlen im letzten Jahr für die Jusos insgesamt nicht besonders positiv verlaufen waren (siehe “Jusos können sich nur im StuPa halten”).

Meine These wäre, dass das Comeback der Jusos etwas damit zu tun hat, dass die “Alternative Liste – Bündnis 90/Grüne” gar nicht mehr angetreten ist. Zwar gibt es auch noch eine andere grüne Gruppe, “Die GRÜNE Alternative”, doch diese ist vermutlich bei den “traditonellen”, asta-skeptischen, ehemaligen Grün-WählerInnen nicht besonders beliebt. Andererseits wird diese WählerInnen-Gruppe auch nicht unbedingt zur LHG oder zum DEFO tendieren, es blieben eigentlich nur Jusos und der neue “SDS” als aus ihrer Sicht wählbare Optionen.

FUwatch verfügt über keine Kenntnisse, warum die “offizielle” Grüne Hochschulgruppe in diesem Jahr gar nicht erst angetreten ist. Immerhin war sie in den letzten Jahren doch immer die stärkste Oppositionsgruppe. Vielleicht haben sie Probleme Nachwuchs zu rekrutieren, vielleicht hatten sie auch einfach die Schnauze voll und wollten nicht mehr länger gegen die übermächtige und ewig gewinnende AStA-Koalition antreten. Auf der Website der FU Grünen heißt es nur lapidar: “Es sind aktuell keine Kontaktdaten bekannt”.

Das DEFO konnte sich bei zwei Stimmen stabilisieren, was allerdings auch bitter für die Betroffenen sein muss, wenn man bedenkt, wie stark das DEFO früher einmal war. Neben der Grünen Hochschulgruppe war das DEFO immerhin mal die stärkste Oppositionsgruppe, während die LHG als “liberaler Kompagnon” eher im Kielwasser des DEFO zu segeln schien. Heute scheinen sich die Verhältnisse umgekehrt zu haben, die LHG ist die dominante liberale Kraft in der Opposition. Sie ist vermutlich sogar die aktivste aller Oppositionsgruppen.

Auch an den Ergebnissen der FSR-Wahl lässt sich ablesen, dass die LHG de facto die “eigentliche”, wenn auch relativ schwache Oppositionsgruppierung ist. Sicher, es gibt natürlich Ausnahmen, aber die LHG ist als einzige Kraft in mehr als einem Fachschaftsrat vertreten, wenn auch vielleicht immer nur mit einem oder zwei Sitzen. Ansonsten werden die meisten Fachschaftsräte klar von den FSIs dominiert, Grüne und Jusos findet man hier nicht mehr (was auch schon mal anders war).

Etwas irritierend sind nur die Ergebnisse aus den Fachschaftsräten Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften. Während die “Kritischen JuristInnen / AL Jura” früher als die inoffzielle “FSI Jura” galten, gibt es nun eine eigenständige “FSI Jura / Café Tatort”, die auch gegen die AL Jura angetreten ist. Auf der FSI Jura Website erfährt man tausend Dinge, nur nicht wo sie eigentlich politisch stehen. Selbiges gilt für die “Studi-Initiative Wiwiss”, die bei den Wirtschaftswissenschaftlern gegen die “fsi wiwiss” angetreten ist und diese klar schlagen konnte.

Abschließend lässt sich aber in jedem Fall feststellen, dass Verhältnisse wie an der TU, wo der Opposition zwischen 2006 und 2007 zumindest kurzfristig ein Umschwung im StuPa gelang (wobei die Sache ja immer noch andauert, siehe die taz von heute), an der FU unvorstellbar sind. Und bei einer so massiven Übermacht der asta-tragenden Gruppen wie sie sich nun seit Jahren darstellt, wird sich daran auch in Zukunft so schnell nichts ändern.

Sechstes studentisches Strategie- und Protesttreffen

Januar 21, 2008

Nach dem ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften studentischen Strategie- und Protesttreffen zur Planung des Aktionstages am 31.01. folgt in dieser Woche das sechste.

Inzwischen steht fest, dass es unter anderem auch ein Seminar zu Lenzens Bildungsideal geben wird. Ferner wurden Dozierende angefragt, am 31.01. Reden zu halten z.B. bei der Demo oder der Vollversammlung. Der Kern des Aktionstages besteht aber aus dezentralen Aktionen, die von diversen Klein- und Kleinstgruppen durchgeführt werden zu sollen. Zu diesen einzelnen “Events” wird dann auf unterschiedlichen Flyern aufgerufen werden.

Für diese dezentralen Aktionen ist unter anderem angedacht: “Elite kicken: mit einem Fußball auf eine Elitesymbol schießen”, die “Symbolisierung der Zusammenlegung von Instituten”, ein “Auftritt in Anzug/Kostüm um für Studiengebühren zu werben”, “Dosenwerfen auf ein Lenzenbild” und eine simulierte “Schlacht zwischen dem Lenzenfanclub und AktionstagteilnehmerInnen”.

Daneben sind aber auch mehr inhaltliche Aktionen geplant, die weniger mit Spaßguerilla-Taktiken zu tun haben, wie z.B. die Einbeziehung von MitarbeiterInnen aus Verwaltung, Bibiliothek und dem Studierendenwerk in eine Diskussion. Aber auch eine allgemeine, offene Diskussionsveranstaltung findet sich auf dem Plan wieder, vermutlich im Kontext der VV. Ferner wird es wie berichtet eine Demo als Abschluss geben.

Auf dem Aktionstag-Blog gibt es jetzt neu auch die ersten Flyer (Vorderseite hier, Rückseite hier). Auch der offizielle Aufruf des Plenums kann heruntergeladen werden und sollte auf Bitten der OrganisatorInnen verteilt werden.

Das nächste und letzte Treffen vor dem Aktionstag findet am kommenden Donnerstag, den 24.01. wie immer um 18:00 Uhr in der Silberlaube (Raum KL 25 / 134) statt. Auch Studierende die sich bisher nicht in den Organisationsprozess eingebracht haben, können dies nach wie vor tun und dort erscheinen.

Maurice Schuhmann: “Die Lust und die Freiheit”

Januar 20, 2008

Morgen (21.08.) findet um 18 Uhr im Roten Café eine Buchvorstellung von Maurice Schuhmanns Veröffentlichung “Die Lust und die Freiheit. Marquis de Sade und Max Stirner – Ihr Freiheitsbegriff im Vergleich” statt. Der Verlag schreibt über das Buch:

“Auf den ersten Blick vielleicht verwirrend, eine Verbindung zwischen Marquis de Sade (1749-1814) und Max Stirner (Johann Caspar Schmidt – 1806-1856) herzustellen. Zwei Charaktere, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Der Franzose, barock, triebhaft-tobend, und der Deutsche, zaghaft, spröde. Biographisch verbindet sie nichts, politisch allerdings einiges. Beide sind radikale Feinde des Staates, antiautoritär – und Individualanarchisten. – Für beide ist nur das sich-selbst-bewußte Individuum Garant unbegrenzter Freiheit. – Marquis de Sade stimmt mit Max Stirner überein: Ich hab’ Mein Sach’ auf Nichts gestellt…

Maurice Schuhmann vergleicht in seiner Untersuchung die Freiheitsbegriffe Marquis de Sades und Max Stirners, skizziert die Gemeinsamkeiten ihrer (politischen) Philosophie.” (Karin Kramer Verlag)

Im Anschluss an die Buchvorstellung wird es eine Diskussion geben, alle Interessierten sind eingeladen.

Die “Exzellenzinitiative Lehre” – Geschichte eines Schattendaseins

Januar 18, 2008

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels findet sich ein Artikel, der das Schattendasein der “Exzellenzinitiative für die Lehre” beschreibt. Ähnlich wie zuvor beim Elitewettbewerb für die Forschung soll es hier nun um einen Wettstreit um die beste Lehre gehen. Initiator ist der “Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft”, dessen Konzept aber offenbar nicht besonders beliebt ist. Auch ist die finanzielle Summe um die es hier geht eher nur symbolisch, wenn man sie mit den Aufwendungen aus der “ersten” Exzellenzinitiative vergleicht:

“Klar scheint bisher allein, dass der Lehrwettbewerb nur mit einem Bruchteil des Geldes dotiert sein wird, der für die jüngst entschiedene Exzellenzinitiative für die Forschung zur Verfügung stand. Fünf Millionen Euro will der Stifterverband für die Lehre ausgeben – für die Forschung wurden dagegen von Bund und Ländern 1,9 Milliarden Euro verteilt.” (“Symbolischer Wettbewerb”, Tagesspiegel, 18.01.08)

Der Stifterverband ist zuversichtlicht, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) weitere 5 Millionen Euro draufpacken wird. Die KMK scheint hingegen nicht übermäßig begeistert von der Idee:

“Intern ist zu hören, dass jedenfalls kein Wettbewerb empfohlen werde, wie ihn der Stifterverband wolle. Das Grundproblem seien die katastrophalen Betreuungsverhältnisse von bis zu 100 Studierenden auf einen Professor. Daran könne man nur etwas ändern, wenn die Hochschulfinanzierung durch die Länder massiv aufgestockt werde. Damit sei derzeit nicht zu rechnen.

Auch Kramp-Karrenbauer [die Präsidentin des KMK, Anm. FUwatch] glaubt nicht an eine Exzellenzinitiative für die Lehre: ‘Wenn man einen solchen Wettbewerb will, muss er ordentlich ausgestattet sein.’ Als Ministerin aus einem finanzschwachen Land werde sie ihren Kollegen sicherlich nicht vorschlagen, Millionenbeträge dafür zur Verfügung zu stellen. Sie sei allerdings gespannt auf die Vorschläge, die der Wissenschaftsrat demnächst vorlegen will – vor allem auf solche, die keine finanziellen Folgen hätten.” (“Symbolischer Wettbewerb”, Tagesspiegel, 18.01.08)

Den 1,9 Milliarden für die Forschung stünden nach dieser Idee also 5 bzw. 10 Millionen für die Lehre zur Verfügung und selbst das stößt auf Widerstand, was für ein Witz. Und selbst wenn die Summe massiv augestock würden, hätte man das alte Problem, dass jene Universitäten das Geld bekommen, die in der Lehre ohnehin schon besser als der Rest abschneiden, während andere Unis deren Lehre besonders desolat ist, gar keine Zuschüsse bekämen.

Umgekehrt kann man aber auch nicht einfach der schlechtesten Uni die meisten Mittel zuweisen, weil so die Motivation wegfällt, den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen und wieder mehr auf eine gute Lehre zu achten. Man müsste die Bezuschussung sicherlich schon an bestimmte Auflagen binden, sonst versackt das Geld ganz einfach wieder.

Sicherlich kann man bei einer “Exzellenzinitiative Lehre” genauso wie bei einer “Exzellenzinitiative Forschung” grundsätzlich die Spaltung der deutschen Hochschullandschaft in ein Zwei-Klassen-System monieren. Dennoch ist der Gedanke, dass es nicht reicht sich ständig nur auf die Forschung zu konzentrieren, während die Lehre vernachlässigt wird, als solcher natürlich erst einmal richtig.

Der Artikel zeigt aber deutlich auf, dass entgegen allen anders lautenden Beteuerungen niemand wirklich ein Interesse daran hat, die Lehre an den deutschen Hochschulen nachhaltig zu stärken. Dies ergibt sich allein schon aus den verhältnismäßig bescheidenen Summen, die hier diskutiert werden.

Institutsrat lehnt Bibliothekenzusammenlegung ab

Januar 17, 2008

Der Institutsrat (IR) des OSIs hat sich in seiner gestrigen Sitzung gegen eine Integrierung der PolSoz-Bibs in die UB ausgesprochen, wie die FSI OSI vermeldet:

“Die eingeladenen UB-Vertreter Naumann und Kende konnten keine fachlichen Vorteile für eine Zusammenlegung vorbringen, ihre Argumente bezogen sich lediglich auf die üblichen Sachzwanglogiken (zu wenig Geld für den Unterhalt mehrer Bib-Standorte; notwendige Personaleinsparungen etc.)” (“I-Rat vorerst gegen Bibliothekenzusammenlegung”, FSI OSI Blog, 16.01.08)

Ausführlicher berichtet die Kommilitonin Therese Anders im LHG-Blog über die Sitzung und macht hier vor allem deutlich, dass es nach wie vor massive Kritik und ungeklärte Fragen gibt:

“Doch die Liste der momentanen Unklarheiten und Beanstandungspunkte ist bedeutend länger als die der Vorteile. Große Kritik formierte sich über die Informationsflüsse (die in diesem Fall wohl eher sehr gewundene, teilweise auch ausgetrocknete Flussbette sind) rund um das Umstrukturierungsvorhaben. Die Anwesenden machten sich nicht ganz zu Unrecht Sorgen, dass die Pläne des Präsidiums bereits beschlossene Sache seien. Aus mehreren Quellen wurde jedoch berichtet, es habe noch keinen offiziellen Beschluss über die Umbau- und Eingliederungspläne gegeben. (“Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI”, LHG Blog, 16.01.08)

Ausschlaggebend ist allerdings ohnehin nur das Votum des Fachbereichsrats (FBR), der erst nächsten Mittwoch, den 23.01., um 9:00 Uhr im Hörsaal B der Ihnestraße 21 tagt. Auch hier sollten sich dann wieder so viele Studierende wie möglich einfinden, denn einige FBR-Mitglieder sind dem Vorhaben von UB und Präsidium offenbar keineswegs ablehnend gegenüber eingestellt.

In einem unter den FSIs am FB verbreiteten studentischen Schreiben wird hier namentlich die Dekanin Prof. Dr. Barbara Riedmüller genannt, die sich in der vergangenen Sitzung bereits positiv zu den Plänen von UB und Präsidium geäußert haben soll. Ob dies so stimmt wird sich nächsten Mittwoch herausstellen, weil sich hier vermutlich herauskristallisieren wird, wer wo steht. Auch VertreterInnen des Präsidiums werden auf dieser Sitzung wohl präsent sein, um ihr Konzept vorzustellen. Es lohnt sich also sicherlich auch für Studis, dort zu erscheinen.

Das Lenzens Front unter Umständen längst eingebrochen ist, macht der Kommilitone Stefan Kesselhut in einem Artikel für die Online-Ausgabe der ZEIT deutlich:

“Angeblich bezeichnet Präsident Lenzen das Vorhaben inzwischen nur noch als ‘Denkmodell’, will angesichts der vielen Proteste bei Studenten und Belegschaft möglicherweise auf eine schnelle, unpopuläre Entscheidung verzichten. Bleibt der Bücherbestand der politik- und sozialwissenschaftlichen Bibliotheken damit erhalten? Das ist ungewiss.” (“Das Verschwinden der Bücher”, ZEIT Online, 15.01.08)

Zurecht formuliert er das hier vorsichtig, denn es ist alles andere als sicher, dass sich das Präsidium “innerlich” wirklich längst dazu entschlossen hat auf die Bremse zu treten, was dieses Vorhaben angeht. Wie gut die Chancen von Präsidium und UB tatsächlich stehen ihre “Vision” durchzudrücken, wird sich dann vermutlich erst am 23.01. in der besagten FBR-Sitzung abzeichnen.

Naumann vs. Neugebauer – Teil 2

Januar 16, 2008

Wie gestern berichtet, eskalierte der Bibliotheksstreit zu einem Schlagabtausch zwischen Prof. Dr. Ulrich Naumann von der Universitätsbibliothek (UB) und Dr. Gero Neugebauer (OSI/OSZ).

Prof. Naumann echauffierte sich in einer Antwort dass es ihm “schwer falle, das Schreiben von Herrn Dr. Neugebauer nicht unmittelbar einem Anwalt zu überstellen mit der Bitte, hier die Interessen der dort unsachlich angegriffenen Mitglieder der Freien Universität Berlin in einer zivilrechtlichen Klage wahrzunehmen”. Weiterhin war von “ehrabschneiderischen Unterstellungen” die Rede.

Die Beurteilung der Situation war jedoch schwierig, da FUwatch nicht der Ausgangs-Brief von Dr. Neugebauer vorlag, über den Prof. Naumann sich so aufgeregt hatte. Inzwischen haben InformantInnen FUwatch jedoch mit dem besagten Brief versorgt, den Neugebauer an “die Mitglieder des Fachbereichsrats des FB Politik- und Sozialwissenschaften nachrichtlich den Mitgliedern des Institutsrats des OSI zur Kenntnis” übermittelt hatte.

Besonders im einleitenden Teil des Briefs langt Neugebauer ordentlich hin. Er attackiert eine bestimmte Führungsperson in der neuen Gesamt-PolSoz-Bibliothek (OSI, Soziologie, Ethnologie, Publizistik), weil diese – so wird offenbar FB-intern kolportiert – schon länger von den Plänen der UB und des Präsidiums zur Abwicklung der PolSoz-Fachbibliothek gewusst haben soll, aber das OSI bzw. den FB darüber nicht in Kenntnis gesetzt hatte. Neugebauer: “Wenn das so stimmen sollte, dann könnte das als ein bemerkenswertes Zeichen von Illoyalität gegenüber dem Institut bzw. dem Fachbereich gewertet werden”.

Dieses “Zeichen von Illoyalität” ist allerdings nicht nur ein “gefühltes”, Neugebauer verweist ellenlang auf das Berliner Hochschulgesetz, wann, wo, welches Gremimum zu informieren ist und zu entscheiden hat. Am Schluss des Absatzes ätzt er: “Diese Vorschrift ist auch nicht durch die Erprobungsregeln aufgehoben worden. Sie wird aber offensichtlich durch die Verschärfung des Dahlemer Landrechts wieder belebt [Fußnote: Die Verschärfung gegenüber der tradierten Form besteht darin, dass seitens des Präsidialamtes kein Konsens mehr mit allen Hochschullehrern gesucht wird]“.

Im letzten Satz des Absatzes zieht er dann noch mal voll durch: “Eine Beteiligung an einem möglicherweise regelwidrigen Vorgang durch einen Beamten, dessen Tätigkeitsbereich eine Einrichtung des Fachbereichs ist, will ich nicht weiter kommentieren”.

Insgesamt ist der Brief aber trotz allem nicht so krass, wie man ihn sich nach der Lektüre des Ausrasters von Naumann in dessen Replik vorgestellt hat. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die FUwatch vorliegende Version des Neugebauer-Briefs unter Umständen nur eine abgewandelte Version ist. Die Datei datiert nämlich auf den 15.01. (sowohl im Text als auch bei der Datei-Erstellung), was dann ganz einfach chronologisch nicht hinkommen kann. Denn die Antwort von Naumann datiert auf den 11.01., weshalb Naumann auf ein älteres Schreiben von Neugebauer Bezug nehmen muss.

Jedoch bezieht sich Naumann z.B. auf einen “Punkt B2″ bei Neugebauer und dieser Punkt findet sich in Neugebauers Brief auch wieder. Vermutlich hat Neugebauer also seinen Brief nachdatiert, als er ihn an ein größeres Publikum erneut gesendet hat oder z.B. für eine Datei in ein neues Layout gegossen hat. Es ist dennoch nicht 100% klar, ob dies nicht eine entschärfte Version der ersten Ausgabe ist.

Von dieser einleitenden Attacke abgesehen schreibt Neugebauer aber sachlich und schneidet dabei argumentativ deutlich besser ab als Naumann, dessen Ausführungen etwas dünn bleiben. Neugebauer benennt dabei auch die eigentliche Motivation der UB: “Hier ist die Integration in die UB beabsichtigt, die zum Nachweis ihrer Größe und Bedeutung dringend eine Erweiterung ihres Unterbaus benötigt, weil sonst ihr Stellenplan (Stellenkegel / Beförderungsstellen) gefährdet ist”.

Neugebauer führt weiter aus, dass der FB dann die Kontrolle darüber verlieren würde, welche Bücher angeschafft würden: “Zum Anderen bringt die Integration in die UB keinen Nutzen für den Fachbereich mit sich. Er entzieht ihm Mittel und, was weitaus wichtiger ist, vor allem die Möglichkeit, durch den Erhalt und Ausbau der Bibliotheken das Forschungsprofil der WEen des FB nach den Bedürfnissen und Interessen der dort Lehrenden und Forschenden bestimmen zu können.” Ein Punkt, den Naumann in seiner Antwort entschieden von sich weist. Er interpretiert Neugebauers Argumentation so, dass Neugebauer der UB den Willen und die Fähigkeit absprechen wolle, “zukünftig auch als Literaturversorger eines Fachbereichs und seiner Wissenschaftler arbeiten zu können”.

Neugebauer verweist weiterhin allgemein auf die Probleme die für die Studierenden durch die Aussonderung der Bücher entstehen (wenn jedes Buch nur noch einmal da ist), und weiterhin “dass gestohlene oder wegen ihres schlechten Zustands zum Austausch vorzusehende Bücher nicht durch Dubletten aus dem Bestand ersetzt werden können, sondern neu bestellt oder kopiert werden müssten”.

Neugebauer schließt: “Es wäre, last but not least, ein Witz, würde beispielsweise das größte politikwissenschaftliche Institut im deutschsprachigen Raum nicht mehr über eine eigene Bibliothek verfügen. Diese Bibliothek ist in allen Ranking-Verfahren ein Argument für die positive Platzierung des OSI gewesen (…)”.

Wohl wahr, doch hat das Präsidium eigentlich wirklich ein Interesse daran, dass das OSI in “Ranking-Verfahren” weit oben auftaucht? Ein Institut, dessen Studierende und (wenn auch abnehmend) Dozierende sich vor allen anderen immer mal wieder quer legen, was Lenzens hochschulpolitische “Visionen” angeht?

Es wird sichtbar, dass es hier nur vordergründig um einen Konflikt um begrenzte, finanzielle Ressourcen geht. Eigentlich geht es um Machtpolitik. Zuerst werden die verschiedenen Bibliotheken des Fachbereichs zusammengelegt, dann sollen sie ihm auf einmal ganz entzogen werden und FB-extern in der UB untergebracht werden. Nebenbei werden einfach mal ein paar Hunderttausend Bücher entsorgt, weil es für die im prestigeträchtigen Umbau keinen Platz mehr gibt.

Es ist doch offensichtlich, dass dies nur ein weiterer Schritt hin zu mehr Zentralisierung an der FU ist. Lenzen versucht dem FB PolSoz die eigene Fachbibliothek zu entziehen, weil dies letztendlich einen Verlust von Autonomie für den FB bedeutet und ihn innerhalb der FU schwächt. Lenzen kann kein Interesse an einem FB haben, der nicht zu 100% auf der Linie des Präsidiums liegt. Und bekommt er den FB nicht sofort auf Linie, nimmt er ihn eben langsam Stück für Stück auseinander. Solange, bis seine Bereiche so stark entmachtet und zusammengekürzt sind, dass sie nur noch auf Linie liegen können (und “auf Linie” meint die vollständig durchökonomisierte Blender-Uni mit einer nicht mehr hinterfragten absoluten Top-Down-Führung).

Gelingt es nicht Lenzens Zentralisierungswahn geschlossen entgegenzutreten, wird man am Ende des Tages am OSI für jede einzelne Rolle Klopapier einen Beschaffungsantrag beim Präsidium einreichen müssen.

Naumann vs. Neugebauer – Der Bibliotheksstreit eskaliert

Januar 15, 2008

Über studentische Mailing Listen wird zur Zeit eine Email von Prof. Dr. Ulrich Naumann, dem leitenden Direktor der Universitätsbibliothek, verbreitet. Prof. Naumann richtet seine Worte an die Institutsrats-Mitglieder des OSI und antwortet dabei gleichzeitig auf einen Brief von Dr. Gero Neugebauer. Dieser Brief von Dr. Neugebauer liegt FUwatch leider (noch) nicht vor, doch aus der Antwort von Prof. Naumann lässt sich schließen, dass Dr. Neugebauer ziemlich deutlich geworden sein muss.

Denn Prof. Naumann schreibt in seiner Antwort unter anderem es “falle schwer, das Schreiben von Herrn Dr. Neugebauer nicht unmittelbar einem Anwalt zu überstellen mit der Bitte, hier die Interessen der dort unsachlich angegriffenen Mitglieder der Freien Universität Berlin in einer zivilrechtlichen Klage wahrzunehmen”. Weiterhin ist von “ehrabschneiderischen Unterstellungen” die Rede.

Naumann wirft Neugebauer vor, sein Brief solle “gezielt Stimmung gegen eine Integration der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken machen, indem die Unfähigkeit und auch der nicht vorhandene Wille der UB unterstellt wird, zukünftig auch als Literaturversorger eines Fachbereichs und seiner Wissenschaftler arbeiten zu können”.

In dem Streit geht es wie berichtet im Kern darum, dass die Bibliotheken des OSI, der Soziologie, Ethnologie und der Publizistik in die Universitätsbibliothek integriert werden sollen, dabei aber rund 400.000 Bücher ausgesondert werden, die den Studierenden dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Am morgigen Mittwoch (16.01.) findet um 8:30 Uhr im Hörsaal B in der Ihnestr. 21 eine Sitzung des Institutsrats statt, in der genau dieser Sachverhalt diskutiert werden soll.

Die Wirtschaftswissenschaftler hatten eine solche “Zwangsintegration” ihrer Bibliothek in die UB zuvor offenbar noch abwehren können. Ob sich der PolSoz-Fachbereichsrat ähnlich entschieden gegen das Vorhaben das Präsidiums und der UB erwehren kann, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie sich das OSI positioniert. Da es im IR auch präsidiums-loyale Mitglieder gibt, ist es umso wichtiger, dass morgen in der Sitzung auch Studierende Präsenz zeigen und klar machen, was sie von dieser Idee halten.

Ob es während der Sitzung auch zum direkten Showdown zwischen Naumann und Neugebauer kommen wird ist noch nicht ganz klar, die UB wird aber in jedem Fall einen Vertreter schicken, der dann die Position der UB deutlich machen wird. Es wird also mit Sicherheit eine kontroverse Diskussion geben.

FU interessiert sich für studentische Studierbarkeitsumfrage

Januar 14, 2008

Frau Irmela Blüthmann lädt – “auch im Auftrag” von Prof. Dr. Felicitas Thiel – die Studierendenschaft allgemein, die Mitglieder der Kommission für Lehrangelegenheiten, sowie die KommilitonInnen Marie Jäger und Sebastian Schneider als Verantwortliche der Umfrage “Studierbarkeit”, anläßlich der für das kommende Sommersemester geplanten Wiederholung der Bachelorbefragung zu einer Arbeitssitzung ein:

“Wir würden gerne mit Ihnen die Verständlichkeit einiger Items unseres Fragebogens diskutieren sowie Sie als Experten zu spezifischen Problemen im Rahmen der Bachelorstudiengänge befragen.

Weiterhin würden uns natürlich Ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit der Studierbarkeitsumfrage und – sofern bereits vorliegend – Ergebnisse dieser Befragung interessieren.”

Zur Erinnerung: Bei der Studierbarkeitsumfrage handelte es sich um eine von Studierenden durchgeführte Erhebung zur “Studierbarkeit” der neuen BA/MA-Studiengänge an der FU (siehe “‘Studierbarkeits’-Umfrage nun auch an der FU”), die auch eine Alternative zur (alten) Bachelor-Umfrage des Präsidiums (siehe “Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online”) sein sollte, bei diesem jedoch nicht besonders beliebt war (siehe “ZEDAT-Verschickung mit Link zum Online-Fragebogen endgültig vom Tisch”). Allerdings war die Umfrage auch unter den Studierenden nicht umunstritten (siehe “Kritik an FU-Studierbarkeits-Umfrage ist nicht ausreichend fundiert”).

Interessant zu sehen, dass von Seiten der FU nach einer eher ablehnenden Haltung gegenüber dieser studentisch-organisierten Umfrage nun auf einmal doch ein – offizielles – Interesse an den Ergebnissen und einem Austausch zu bestehen scheint. Es könnte etwas damit zu tun haben, dass inzwischen selbst der eigene “Studienerfolgsbericht” deutlich macht, dass die Dinge in Sachen Bachelor-Einführung alles andere als gut aussehen (siehe “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”).

Es scheint jedenfalls eine interessante Veranstaltung zu werden und da sich die Einladung auch an die “Studierenden” richtet, sollten Interessierte die Chance nutzen. Als Termin wurde der 25.01. von 10-12 Uhr in der Arnimallee 10, 1. OG, Raum 4 vorgeschlagen (er ist also noch nicht ganz fest).

Fünftes studentisches Strategie- und Protesttreffen

Januar 13, 2008

Nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten studentischen Strategie- und Protesttreffen zur Planung des Aktionstages am 31.01. folgt nun das fünfte.

Nachdem das eigentliche Webforum (fu-aktionstag.carookee.de) noch nicht richtig funktioniert, gibt es jetzt auch einen Blog extra für den Aktionstag: http://aktionstag.blogsport.de/.

Dort kann man in einem aktuellen Eintrag nachlesen, dass das nächste Treffen am Donnerstag den 17.01. um 18:00 Uhr im Raum KL 25 / 134 in der Silberlaube stattfinden wird. Dort soll dann “besonders die weitere Planung des Aktionstages besprochen” werden.

Desweiteren wird auf dem Blog unter “Hintergründe” auf die Abschiedsvorlesung von Prof. Zeuner verwiesen, der die aktuelle Misere der FU zusammenfasste.

Unter “Termine und Ablauf” gibt es dann sogar einen ersten groben Ablaufplan:

“24.-31.1.2008: Mobilisierungsaktionen an der ganzen FU

Donnerstag, 31.1.2008: Uniweiter Aktionstag
- ab 10 Uhr: Infos, Kaffee und Versammlungen in der Silberlaube
- 10-14 Uhr: dezentrale Aktionen an der gesamten Uni
- 14 Uhr: Vollversammlung
- 16 Uhr: Demonstration (?)
- anschließend Volxküche und Party im Keller des Philosophie-Instituts…”

Was konkret unter “Mobilisierungsaktionen” im Vorfeld bzw. unter “dezentralen Aktionen” am Tag selbst zu verstehen ist, wird offenbar (noch) nicht verraten bzw. steht noch nicht genau fest.

“Mobilisierungsaktionen” meint aber vermutlich, man tingelt durch die Lehrveranstaltungen um die Leute direkt auf den Tag aufmerksam zu machen und “dezentrale Aktionen” meint ein wenig symbolische Action an verschiedenen neuralgischen Punkten des Campus’.

Neue Anti-Lenzen-Gruppe bekennt sich zur Bildentwendung

Januar 12, 2008

In einer FUwatch vorliegenden anonymen “BekennerInnen-Mail” erklärt sich die nach eigenen Angaben “spontan zusammengefundene” Studierenden-Gruppe “Lenzen fallen lassen” für die Entwendung von Lenzens Bild aus dem Foyer des Henry-Ford-Baus verantwortlich.

Ob die FU in ihrem Größenwahn tatsächlich auch ein Abbild Dieter Lenzens in die Galerie der frei aufgehängten Bilder von “berühmten FU-Persönlichkeiten” aufgenommen hatte und ob dieses Bild jetzt tatsächlich verschwunden ist, konnte FUwatch noch nicht ermitteln. Denkbar wäre es jedenfalls.

Der “feine und subversive Akt” richte sich gegen die “bedenkliche Selbstverherrlichung des kleinen Uni-Diktators” schreiben die AktivistInnen weiter. Der Witz an der Sache: Vermutlich fällt das Fehlen von Lenzens Bild kaum jemandem wirklich auf.

Insofern hätte die Aktion sicherlich zu einer größeren Reaktion geführt, wenn die Missetäter das Bild optisch verändert und anschließend wieder zurückgehängt hätten (was logistisch allerdings wohl deutlich schwieriger durchzuführen gewesen wäre).

Die vollständige “BekennerInnen-Mail” kann bei den KommilitonInnen vom BBFB-Blog nachgelesen werden, wo sie bereits gestern als Fullquote veröffentlicht wurde.

Protestbrief an Vizepräsidentin wegen Bibliotheksskandal

Januar 11, 2008

Die FSI OSI hat im Dezember letzten Jahres in ihrem Blog einen Protestbrief an die FU-Vizepräsidentin Lehmkuhl wegen des Bibliotheksskandals (siehe “Der Bücher-Bestand im FB PolSoz soll bis 2020 halbiert werden”) veröffentlicht, mit der Aufforderung an die Studierenden, diesen oder einen ähnlichen ebenfalls an die Vizepräsidentin zu senden.

Dass sich Prof. Lehmkuhl oder irgend ein anderes Präsidiumsmitglied von einem solchen Protestbrief beeindrucken lässt, ist natürlich äußerst unwahrscheinlich. Lesenswert ist der Brief trotzdem, zeigt er doch die Absurditäten rund um diesen Skandal auf. Ein Auszug:

“Nur: was nützt mir eine tolle Internet-Multimedia-Arbeitsstation, wenn ich meine Literatur nicht kriege? Was nutzen mir verlängerte Öffnungszeiten, wenn die letzte U-Bahn nach Dahlem um Mitternacht fährt? Sollen die StudentInnen in der neuen Bibliothek übernachten? Wie kann es ausserdem sein, dass eine für FÜNFZEHN MILLIONEN Euro frisch ausgebaute Bibliothek, die die Literatur eines ganzen Fachbereichs beherbergen soll, für eben diese Literatur nicht genügend Platz hat? Aber vielleicht würde ein zu großes Magazin ja das Design stören, dem nächsten Stararchitekten an der FU unnötig Freiheiten bei der Gestaltung nehmen oder schlicht und einfach später zu viel Geld kosten – das musste ja schließlich schon für den Bau ausgegeben werden.

Das Präsidium begründet die Maßnahme unter anderem damit, dass in der OSI-Bibliothek zu wenig Platz sei. Wissen Sie auch wieso? Mit Sicherheit! Es handelt sich schließlich um ein vom Präsidium hausgemachtes Problem, nämlich die Umwidmung der Gebäude des Ethnologischen Instituts zu einer Privat-Uni in einer Public-Private-Partnership mit dem Klett-Verlag. Noch eine Maßnahme, über die die Betroffenen erst informiert wurden, als die Entscheidung bereits gefällt war. Nicht zuletzt durch die Aufnahme der Bücher aus der Ethnologischen Bibliothek herrscht jetzt Platznot am OSI. Ein durch autokratische Maßnahmen selbst geschaffenes Problem soll also durch eine weitere autokratische Maßnahme behoben, beziehungsweise, objektiv betrachtet, noch weiter verschärft werden.

Ein Vorschlag zum Schluss: das Präsidium wendet sich wieder der ursprünglichen Planung zu, die eine Sanierung der UB für sechs Millionen und eine Vergrößerung und Sanierung der OSI-Bibliothek für weitere sechs Millionen Euro vorsah. Das spart noch dazu drei Millionen Euro, die beispielsweise für die schon lange ausstehende Berufung einer Professur ‘Politische Ideengeschichte’ ausgegeben werden könnten. Oder für neue Bücher. Oder dafür, das gesamte Präsidium in den Ruhezustand zu schicken.” (“Brief an Vizepräsidentin Lehmkuhl”, FSI OSI Blog, 20.12.07)

OSI Gruppen im StudiVZ

Januar 10, 2008

Nachdem StudiVZ fortlaufend negativ auffällt (siehe zuletzt “Warum StudiVZ auch diesmal unbeschadet davonkommen wird”), war es dann doch mal an der Zeit sich etwas genauer anzusehen, was eigentlich in Sachen OSI in Deutschlands führendem studentischen “Sündenpfuhl” abläuft.

Mal abgesehen davon, dass wie nicht anders zu erwarten ganz allgemein viele der in den StudiVZ-Gruppen geführten Diskussionen ziemlich platt waren, war doch sehr auffällig, das selbst in Gruppen wie der “OSI Connection” mit immerhin 559 Mitgliedern nicht etwa aktuelle Instituts-Themen oder auch allgemein hochschulpolitische Themen diskutiert werden, sondern eher Fragen wie “Welcher Prof ist für meine Abschlussarbeit im Nebenfach geeignet?” oder (allen ernstes) “Warum kann die FU nicht ebenso schön sauber und grafitti-frei sein wie die Universität Birmingham?”. Es gibt immerhin auch ein Diskussions-Thema zum aktuell wieder brisant gewordenen Komplex “StudiVZ und Datenschutz”, interessiert scheinen hier allerdings nicht unbedingt viele.

Ich habe versucht diese politische Langeweile wenigstens mit Themen zur Personalpolitik am Institut etwas aufzumischen, das Feedback war freilich bisher nicht überwältigend. Als Test habe ich dann eine eigene Gruppe gegründet, die sich für ein “risse-freies OSI” einsetzt und damit an meinen alten Traum angeknüpft, dass das ATASP aus dem OSI herausgelöst und der HSoG angegliedert wird (siehe “ATASP-Clique will Teilnehmer-Beschränkungen durchsetzen”).

Bisher haben sich allerdings noch keine weiteren MitstreiterInnen gefunden. An der fragwürdigen Ernsthaftigkeit meiner Gruppe kann es eigentlich nicht liegen, denn Kasperletheater ist der Normalfall im StudiVZ und schreckt eigentlich niemanden. Es hat wohl eher etwas damit zu tun, dass Risse in der OSI-Studierendenschaft im Gegensatz zu Dozierenden wie etwa Hesse oder Bolle immer noch einen verhältnismäßig großen Rückhalt genießt. Andererseits habe ich die Gruppe nicht beworben und innerhalb von ein paar Tagen stößt auch keiner allein drauf; vielleicht lag es daran.

Wenn man bei der Suche “OSI” als Schlagwort angibt, bekommt man freilich noch einige andere Gruppen geliefert, wie z.B. den “Kaffee-Junkies am OSI” bei denen darüber diskutiert wird, wo man seinen Kaffee herkriegt, natürlich aber nicht z.B. über die neuen Zielvereinbarungen zwischen OSI und Präsidium. Oder wie wäre es alternativ mit “Kacken am OSI”? Und ja, auch diese Gruppe bietet, was ihr Name verspricht.

Man findet viel was mit Partys, Freizeitgestaltung oder der allgemeinen Organisation des Studiums zu tun hat: “Wie ist Klausur X bei Dozent Y?”, “Was muss ich tun, um an der Uni A das Fach B studieren zu können?”. Die Option StudiVZ alternativ auch zur gemeinsamen Reflexion über gesellschaftspolitische Themen oder zur Mobilisierung gegen Missstände zu nutzen besteht natürlich hypothetisch, wird aber de facto kaum genutzt. Selbst Themen mit hohem Mobilisierungspotential, wie etwa der Kampf gegen Studiengebühren, spielen hier nur eine Nebenrolle gemessen an den reinen “Fun-und-Party-Topics” und den unpolitischen “Sachthemen”.

Auffällig ist beim Durchgehen der Profile schon, wie hoch der Anteil an relativ jungen Studierenden ist, die mit 20 oder 21 gerade erst am Anfang ihres Studiums stehen (oder noch im Abi stecken). So hatte die OSI-Erstis-Gruppe vom WS 06/07 immerhin schon 43 Mitglieder, die aktuelle vom WS 07/08 hat aber bereits 121 Mitglieder.

Diese “neue Generation”, die mit sozialen Netzwerk-Portalen wie StudiVZ “aufgewachsen” ist, wird diesen sicherlich auch nicht mit Mitte 20 auf einmal den Rücken kehren. Irgendwelche Anzeichen eines einsetzenden Reflexionsprozesses darüber was StudiVZ eigentlich ist oder repräsentiert, sucht man in den Diskussionen meist vergeblich.

Immerhin, die Anzahl von Studierenden, die aus Protest gegen die neuen AGBs von StudiVZ ihre Profile anonymisieren oder verfremden schien verhältnismäßig hoch – nur aus dem fortlaufenden Debakel die einzig vernünftige Konsequenz zu ziehen und das Portal hinter sich zu lassen, ist für die große Mehrheit der StudiVZ-NutzerInnen offenbar nach wie vor undenkbar.

Letztlich ist StudiVZ der ultimative empirische Beweis für die systematische Mario-Barth-isierung der deutschen Studierendenschaft. Wer sich die Zeit nimmt, mal ein wenig die Profile und die Diskussionen in den Gruppen zu durchstreifen, wird – sofern er dies nicht ohnehin schon längst getan hat – den Traum von einer breiten, emanzipatorischen Studierendenschaft, die sich gegen den Bologna Prozess, die Ökonomisierung der Hochschullandschaft, etc. irgendwann erhebt, endgültig begraben müssen.


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